CD-Besprechung

Roman Babik Urban Wedding Band |

7479

Text: Hans-Bernd Kittlaus

Köln, 16.07.2015 | Es gibt in Deutschland eine größere Zahl von Jazz-Musikern mit ost- und südosteuropäischen Wurzeln, die ihre Kenntnisse und ihr Gefühl für osteuropäische Melodien, Harmonien und Rhythmen in den Jazz einbringen. Dazu gehören auch die vier Musiker der Urban Wedding Band, die allesamt schon lange in Deutschland leben oder im Fall von Roman Babik hier geboren wurden und seit 2012 in dieser Band zusammenwirken. Schon ihre erste 2013 erschienene CD „Hit“ ließ aufhorchen. Jetzt legen sie die zweite Scheibe vor genannt „7479“, einem Song-Titel, der laut Babik keinerlei Bedeutung trägt. Dieser Song demonstriert sogleich, dass hier keine weltmusikalische Beliebigkeit regiert. Vielmehr haben sich vier Vollblut-Jazzer gefunden. Die sieben Songs stammen aus der Feder von Pianist Roman Babik und zeichnen sich durch die Verbindung von eingängigen, aber nicht trivialen osteuropäisch geprägten Melodien und komplexen Rhythmen aus, die dem durchgängigen Swing Feeling keineswegs im Wege stehen. Meist trägt Saxofonist Dimitrij Markitantov, gebürtiger Ukrainer, die Melodie, während Bassist Martin Gjakonovski, der Mazedonier in Köln, und Schlagzeuger und Perkussionist Bodek Janke, polnisch-russisch verwurzelt, ein Feuerwerk aus Rhythmus entfachen. Die beiden ergänzen sich exzellent, wobei Gjakonovskis Bass häufig die Rhythmus-Arbeit übernimmt und so Janke Freiräume für kreative perkussionistische Akzente gibt. Das funktioniert auch umgekehrt, etwa bei Gjakonovskis schönem Solo in „Session Tune“. Roman Babik spielt im Anschluss ein zunächst abstraktes Solo, das dann in melodische Improvisation und machtvolle Akkorde à la McCoy Tyner übergeht. Hier hat auch Markitantov Gelegenheit zu einem ausgedehnten Solo, das an Coltrane erinnert. Insgesamt ein sehr stimmiges Werk, bei dem nur die pop-lastige Vokaleinlage des Sängers Simon Binkenborn in „Isra“ als Fremdkörper erscheint. Die Musik der vier Virtuosen der Urban Wedding Band dürfte auch Jazz-Fans gefallen, die weltmusikalischen Ansätzen sonst eher distanziert gegenüberstehen.

Eigenverlag (zu beziehen über www.urbanweddingband.com)