CD-Kritik

Paintbox |

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Text: Stefan Pieper

Köln, 01.10.2015 | Entspannte Harmonien atmen einen weiten Bogen. Ein angenehmer Smooth Jazz tut sich auf, der sich subtile, vor allem im Anfangsstück an Weather Report gemahnende Harmonien leistet. Aber dann wird es progressiver, und ein weiter Kosmos aus spielerischer Perfektion spannt sich immer weiter, verästelt sich.

Viele diffizil komponierte Melodien sind das Sprungbrett für spannende Soli. Alles ist weit verschachtelt und kühn verästelt. So muss man heute umgehen mit einem aufgeklärten Modern Jazz Idiom, der Gehörgänge und Geist verwöhnt, der aber auch temperamentvoll nach vorne geht. So weit so gut. Das ist guter, solider Modern Jazz einer jungen Band aus dem heute, die jetzt gerade ihr CD-Debut vorlegt. „Paintbox“ heißt die junge Band, die hier von „jazzthing the next Generation“ gefördert wird.

Dies ist ein Projekt, das gerade der jungen Nachwuchs-Szene maßgeblich auf die Sprünge hilft. Denn eine CD-Produktion ist immer noch das Initiationsritual für den eng umkämpften Musikmarkt. In dieser Hinsicht haben die Musiker dieser Band gezeigt, was sie können und wollen – und das ist sehr viel. Man lernt heute besser als je zuvor das perfekte Spiel. Paintbox haben ihre Hausaufgaben gemacht.

Der Rheinländer Jonas Windscheid ist ein ausdrucksvoll agierender brillant fingerfertiger Spieler auf seiner Gitarre. Kompositorische Bögen fokussieren sich auf Kontraste und Schnitte, auf die Dualität zwischen rhythmisch zupackender Interaktion zwischen Pianist Hans Feigenwinter und Schlagzeuger Silvio Morger. Saxofonist Andreas Böhlen hat sich derweil den atmenden Ruhepolen verschrieben, wenn sein Spiel immer wieder diese unangestrengte Kantabilität entfaltet. So viel Reife wünscht man sich öfter von debutierenden Bands. Macht weiter so! Und vor allem: Bringt künftig mehr Subjektivität und noch mehr Lebensgefühl in die Musik hinein!

Paintbox

20.11. Grevenbroich, Gitarrenwochen

21.11. Köln, Salon Du Jazz