CD-Besprechung

Martin Sasse Trio & Steve Grossman |

Take the “D” Train

Text: Hans-Bernd Kittlaus

Köln, 03.05.2015 | Der Kölner Pianist Martin Sasse hat sich über die letzten 15 Jahre zum führenden deutschen Mainstream Pianisten entwickelt, was seine neuesten Einspielungen eindrucksvoll belegen. Ob als einfühlsamer Begleiter von Sängerinnen oder Bläsern, als Leiter von Klaviertrios oder als Pianist in anderen Formationen – Sasse ist Garant für Swing, Emotion und hohes spielerisches Niveau. Den Saxofonisten Steve Grossman hat Sasse mehrfach in den letzten Jahren als Gaststar eingeladen. Der in Europa lebende Amerikaner wurde um 1970 als Nachfolger von Wayne Shorter in Miles Davis‘ Band international bekannt. Trotz einer Reihe bemerkenswerter Aufnahmen hob seine Karriere krankheitsbedingt nie so ab, wie seine spielerischen Fähigkeiten es verdient hätten. Umso erfreulicher dass der Tenorsaxofonist sich hier in guter Verfassung zeigt. Sein meisterliches Balladenspiel prägt Ellington’s „In a Sentimental Mood“ ebenso wie seine Komposition „Nicolette“, wobei Sasse ihm kongenial die musikalischen Bälle zuspielt. Schlagzeuger Joost van Schaik treibt Benny Golson’s „Stablemates“ gekonnt etwas schneller als üblich voran. Grossman zelebriert die Ohrwurm-Melodie, bevor Sasse zu einer inspirierten Improvisation abhebt, die in Bassist Henning Gailings gelungenes kurzes Solo übergeht. Grossman zählt Ellington’s „Take the Coltrane“ schnell an und gibt Sasse so eine Vorlage für sein immens swingendes Solo, bevor Grossman sich selbst in einen mitreissenden Improvisationsfluss begibt. Die CD swingt mit Cannonball Adderley’s „Wabash“ zu Ende, erneut mit guten Solos von Grossman und Sasse.