CD-Besprechung

Marc Brenken - Christian Kappe Quartett |

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Text: Stefan Pieper

Essen, 30.01.2015 | Die Früchte konnten nun geerntet werden: Den Preis vom Jazzwerk Ruhr 2011 investierte das Marc Brenken / Christian Kappe- Quartett überaus sinnvoll – in ein neues Album, was jene musikalischen „short storys“ fortsetzt, mit denen Marc Brenken, Christian Kappe, Alex Morsey und Marcus Rieck als feste Band debutierten. Vor allem Marc Brenken, Pianist und Komponist aus Essen, ist als wacher empfindsamer Geist in der Welt unterwegs und hat auch oft die Kamera dabei. Vieles aus nah und fern hält er fest – und noch mehr musikalische Ideen werden bei solchen Entdeckungs-Streifzügen erst recht geboren!

Also liegen den zwölf Stücken stille Momenteindrücke, aber auch ganz andere Inspirationsquellen zu Grunde. Still geht es in dieser Konstellation selten zur Sache – denn die Spielfreude dieser Musiker ist doch eher extrovertiert, lebendig und vor allem gerne spontan. Sich intuitiv gut verstehen, sich schnell auf eine gemeinsame zündende Idee einschwören und was neues entstehen lassen – so etwas weiß erklärtermaßen der Trompeter Christian Kappe an diesem Miteinander zu schätzen. Schon beim Eröffnungsstück „Dawn“ wird in die Vollen gegangen, ja, dieser Opener ist schon gleich der Höhepunkt dieser Platte: Es sei die kürzeste Komposition, die Brenken je geschaffen habe, ein knapp umrissenes Motiv aus einer Handvoll Tönen, das wie ein ostinato die Marschrichtung in den nächsten fünf Minuten bestimmt. Die anderen Spieler klinken sich ein, reflektieren und verzahnen sich trickreich. Einmal auf solche Höhenflüge erhoben, bewegt man sich weiter auf einem soliden Hochplateau bestehend aus musikalischer Reife und ansteckender Spielfreude. Da ist die virtuos fließende Grammatik eines Oscar Peterson, da leben die harmonischen Farben von Mingus und Monk, wird dem Tango gehuldigt, oder auch der Filmmusik eines Nino Rota. Das Marc Brenken Christian Kappe Quartett zeigt hier aber, dass Instrumente und Stilistiken nichts sind, wenn nicht ausgeprägte Charakterköpfe dahinter stehen – wie es hier der Fall ist. Christian Kappes energetischer, sehr offener Trompetensound strahlt und überhöht den Bandsound. Marc Brenken ist auf den Flügeltasten mannigfaltig unterwegs, taucht in Impressionen ab und erzeugt rasante Bewegung, wie es nur ein unheinlbar von Oscar Peterson Infizierter vermag. Alex Morsey agiert wieselflink, mal abgrundtief und gerne humorvoll auf dem Bass und Schlagzeuger Marcus Rieck treibt voran und funkt dazwischen. So muss sie sein – eine gesunde und gleichsam ansteckende Bandchemie!

CD Marc Brenken - Christian Kappe Quartett

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Marc Brenken Music 2014