CD-Kritik

Christian Lillinger |

GRUND

Text: Vera Marzinski

Köln, 10.10.2015 | Lillinger und der tiefe Grund. Die jüngste CD des Ausnahme-Schlagzeugers Christian Lillinger ist nicht ganz einfach, aber es gibt sehr viel zu entdecken. Der Zuhörer muss sich darauf einlassen – dann erkennt er auch den GRUND. Gleich mit dem ersten Stück ist viel Unruhe im Spiel. Aber es wird auch harmonisch, wenn die Band, wie bei „Noneee“ ein leises Zwiegespräch führt. „Blumer“ beginnt ruhig mit leisen Tönen von Piano und Vibraphon, in die die gesamte Band mit und mit einsteigt, wobei das Schlagzeug die melodischen Progressionen sehr fein umspielt. Verspielt wirkt „Malm“ und eine außerordentliche Klangvielfalt bieten die beiden Stücke, die Lillinger den verstorbenen Eltern seiner Frau – „Für Beate“ und „Für Gerd“ – gewidmet hat. Komplett auskomponiert ist „Flux“, das tatsächlich sehr fließend ist - passend zum Titel. Dabei sind die Titel der CD teilweise Phantasienamen. Eine gelungene Mischung aus schwierigen rhythmischen Passagen und strukturell fein ausgearbeiteter Musik, bei der jeder Musiker Freiraum hat, sich einzubringen.

Und Christian Lillingers GRUND“ ist schon eine ganz spezielle Band. Sie ist Christian Lillingers persönliche Traumbesetzung. GRUNDlage sind Kompositionen, die alles zulassen und den Solisten (in diesem Falle allen) sehr viel uneingeschränkten Platz lassen. Zwei Bässe – Robert Landfermann und Jonas Westergaard –, zwei Harmonie-Instrumente – Achim Kaufmann (Piano) und Christopher Dell (Vibraphone) –, zwei Blasinstrumente - Pierre Borel (Altsaxophon) und Tobias Delius (Tenorsaxophon / Klarinette) – und natürlich an Drums und Percussion: Christian Lillinger. Es ist kein Freejazz. Für Lillinger ist Jazz Kunstmusik, und daran hält er sich.

1984 wurde Lillinger in Lübben im Spreewald geboren, er studierte in Dresden. Lillinger sorgt in der Jazz-Szene für Aufsehen und Wirbel und macht aus seinem Schlagzeug ein Melodie-Instrument. Wer ihm zuschaut, kommt aus dem Staunen nicht heraus, denn er ist immer in Bewegung und erzeugt Töne mit dem Schlagzeug, die ganz unerwartet, so ganz anders sind. Lillinger ist nicht Beiwerk sondern Mittelpunkt – ob live oder ob auf Tonträger. Dennoch gibt seinen Mitmusikern Raum, aber den GRUND legt er.