CD-Besprechung

Sebastian Müller |

Peel

Text: Klaus Hübner

Kleve, 24.10.2014 | Schmuckstücke sollte man hüten wie den Augapfel, den man hüten sollte wie die Hörmuschel und was danach kommt. Die Spannbreite musikalischer Räume und Experimentierwiesen muss nicht immer Qualitätsmerkmal sein, trifft für das Debütalbum des 1980 in Zweibrücken geborenen und jetzt in Köln wirkenden Gitarristen Sebastian Müller jedoch passgenau zu. Schon als Jugendlicher entdeckte er neben der Rockmusik die spezifischen Musiken Funk und BeBop. Da gibt es, wie der Insider weiß, genügend Schmuckstücke zu entdecken, mit denen eine tragfähige Grundlage für eigene musikalische Erziehungen gelingen können.

„Grind“ führt seinen musikalischen Hintergrund im Namen – das Stück erzählt in 1:30 Minuten Aufstieg und Fall einer besonders harten Rockmusik, die mit Namen wie Napalm Death (Müllers Ersterfahrung mit dieser Musik im Alter von 11 Jahren), Extrem Noise Terror und später Soilent Green verknüpft ist. Der englische Radio-DJ John Peel war ein Wegbereiter des Genres, das sich Ende der Achtziger mit Death Metal vermischte. „Peel“ deutet stark darauf hin, dass mit dem Album einem der innovativsten DJ's ein tönendes Denkmal gesetzt wurde. Es sei jedoch auf unterschiedlichste Weise erklärbar, sagt Müller, auch biografisch. „Peel“ heißt übersetzt Schale, auf Sebastian Müllers Produktion bedeutet das, unter der Schale verbergen sich herausragende Klangmaterialien, die wie ein Schmuckstück vor Beschädigung und Entwendung geschützt sind. Erst durch die fünf Musiker öffnet sich die Schale und garantiert ein unverkrampftes, am Sound orientiertes Klangkunstwerk. Das Stück „Peel“ erfährt durch Pablo Held einen Sound, der eingangs stark an Weather Report und Joe Zawinuls Tastensprache erinnert.

Neben Mueller und Held sind Saxophonist Sebastian Gille, Bassist Daniele Camarda und Schlagzeuger Jonas Burgwinkel mit an „Peel“-Bord. Mutig wechselt das Quintett Geschwindigkeit und Stilistik, kuschelt mal in einem verschleppten Elektroblues wie „Lion's Skull“ oder atmet bei „20000 Leagues“ (eine Gemeinschaftskomposition) verhaltensauffällige Meditationsklänge vermischt mit ruhig fließender Improvisation. Am Ende des Albums steht ein „Trauma“, das durch seine Klarheit berührt.

Klaeng Records 05

Distribution: www.klaeng-records.de/shop

www.elmolinero.de

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