CD-Besprechung

Hanno Busch Trio |

Absent

Text: Klaus Hübner

Kleve, 14.10.2014 | Abwesend sein, nicht teilnehmen am Geschehen, nicht vor Ort und nicht vor der Verantwortung, anderen keine Luft weg atmen und niemandem auf die Füße treten – hätte Gitarrist Hanno Busch so gehandelt, hätten er und sein Trio – Claus Fischer am Bass und Jonas Burgwinkel am Schlagzeug – wohl kaum einen Aufmerksamkeitsstatus erreicht. Trotzdem nennt der Kölner Musiker sein Debütalbum „Absent“ und riskiert dabei, dass dem Abwesenheitsgedanken auf den Grund gegangen wird. Penibel, staubtrocken und kritisch.

Im Titelsong, der als letzte Stück das Album beendet, „jammert“ sich Buschs Gitarre zunächst für ein Paar Takte durch eine nervöse Eingangshymne, die mit zunehmender Spielzeit dem nach inzwischen achtunddreißig Minuten bekannten Busch-Funk das Tüpfelchen auf die Abwesenheitssituation setzt. Hanno Busch bricht an der richtigen Stelle immer wieder die mögliche Hinwendung seines quer gedachten Funk-Gedankens zur dekorativen Beliebigkeit. Er besitzt das Gespür für ambivalente Charakterisierungen seiner Musik, in dem er der Erwartung ein Gegengift verabreicht, das plötzlich ätzend am Image der ausnahmslos von Busch komponierten Stücke nagt. Wo diese Brüche eine neue Musiksprache innerhalb der Kompositionen zu begründen scheinen, webt Hanno Busch lediglich kleine Antiwohlklangfäden ins Muster. Diese musikalische Bildsprache benutz er direkt im ersten Titel „Wheel“, in dem er das Rad nicht einfach laufen lässt sondern es über bewusst gewählte holprige Strecken und kurvenreiche Wege führt.

Bis zum Debütalbum arbeitete Hanno Busch mit diversen Künstlern und in diversen Bands – sowohl für Peter Kraus, Sasha und PeterLicht als auch für Peter Herbolzheimer, die NDR Big Band und re:jazz. Im Unterhaltungssektor bedient er die Gitarre bei den Heavytones, der Studioband in Stefan Raabs TV-Sendung „TV Total“ und ist neben Tobias Philippen im Ensemble Sommerplatte aktiv. Claus Fischer und Jonas Burgwinkel verbinden sich in Buschs Trio zu einem über die reine Begleitung hinaus gehende Rhythmusmaschine, die das komplexe und komplizierte Repertoire des Komponisten Busch mit weiteren Lebensphilosophien und -erfahrungen füttern.

Gegensätze besitzen eine eigenartige Anziehungskraft: Was abstoßend und berechnend auftritt, echot zugeneigt und ehrlich. So ergeht es auch den beiden aufeinander folgenden Stücke „Home“ und „Not Home“. Klingt „Home“ noch wie ein von Ry Cooder inspirierter Ohrwurm, hackt „Not Home“ mit spitzem Schnabel kleine Kerben in die Wohlbefindlichkeit. Diese Art des gitarristisch geprägten Jazz könnte ein Weg in zukünftige spannende und entwicklungsfähige Anwesenheitsmusik sein.

Frutex Tracks FT003CD

Distribution: NRW Distribution

www.hannobusch.de

Nächste Livetermine: 18.10. - Bielefeld, Bunker Ulmenwall; 30.10. - Münster, Hotjazzclub; 01.11. - Zülpich – Live-Proberaum; 07.11. - Düsseldorf, Jazzschmiede; 08.11. - Bielefeld, Bunker Ulmenwall.