CD-Besprechung

Axel Fischbacher |

56 / 56

Text: Ingo Marmulla

Recklinghausen, 03.02.2014 | 56/56 - So heißt die CD von Axel Fischbacher, die im Januar 2013 im Dog House Studio aufgenommen und in New York unter Mithilfe des musikalischen Wegbegleiters und Mitproduzenten Walter Fischbacher gemischt wurde. Die Mitmusiker sind allesamt bekannte NRW Jazzgrößen: am Flügelhorn und an der Trompete der auch hier überzeugende Matthias Bergmann, Saxophon spielt Denis Gäbel, Bass der ECHO-Preisträger André Nendza, das Schlagzeug wird souverän von dem langjährigen Mitstreiter Kurt Billker bedient. Des Weiteren kommt die Hammond-B3 bei dem Stück „Confusionjack und die gerechte Strafe“ zum Einsatz, gespielt von Martin Ernst. Die Kompositionen, die hier auf dem Düsseldorfer Label „Jazzsick Records“ erscheinen, sind fast alle vom Bandleader, außer zweier Standards, die den Bezug zur Jazztradition belegen. Vorweg gesagt, ich halte die CD für gelungen. Dies teilte ich Axel telefonisch mit, als er mir berichtete, dass die vorliegende Musik zum großen Teil als Surrogat seiner Hildener Jazzreihe „Blue Monday“ zu verstehen ist. Er hat die CD übrigens Alvin Lee gewidmet, dem kürzlich verstorbenen Gitarristen des Woodstocker „I’m going Home“. Und dieses Bluesfundament spürt man auch bei Axel Fischbacher. In seinem Selbstverständnis versteht er sich als modernen Bebop-Gitarristen, der (im Gegensatz zu vielen Jazzgitarristen) seine Halbresonanzgitarre im Stehen spielt und auch vor Soundpedalen keine Angst hat, was man schon im ersten Stück „homesick and sandwich“ erkennen kann. Als Fusion möchte er seine Musik dennoch nicht bezeichnet wissen, auch wenn in vielen „Songs“ funky groove und Rocklicks prägende Elemente sind.

Das Spiel von Fischbacher dominiert den Gesamtklang der CD, lässt aber genügend Raum für seine Mitstreiter. So haben André Nendza und Denis Gäbel in dem balladesken „little tenants“ Gelegenheit, ihre Kunstfertigkeit zu beweisen. Beim Saxophonsolo schimmert hier manchmal ein imaginärer Wayne Shorter durch ...

Dann kommt der Gershwin-Klassiker „Lady be good“. Ella Fitzgerald & Co lassen grüßen. Was kann man aus diesem Swingsong heute noch machen? Fischbacher zeigt es uns: Nach einem kollektiven Intro vernehmen wir ein interessantes Themen-Arrangement mit stilsicheren Soli und einem gelungenen Drum-Solo über einen Schluss-Break. So gelingt es ihm, das altbekannte Stück neu zu beleben. Überhaupt gelingt Fischbacher der Spagat zwischen souligen Rhythmen und jazzigen Themen, so auch in dem oben erwähnten Orgelstück, das in seiner Thematischen Anlage durchaus an „Tower of Power“ erinnert. Das geht in die Beine und schafft Abwechslung.

Ganz ruhig dagegen die Ballade „like a blackbirds heart“. Eine schöne Akkordlinie liefert den Grund der Komposition. Auch hier kann man gut die Verbindung von jazziger Struktur und poppigen Harmonien entdecken. Fischbacher hat keine Angst vor einfachem Dur- oder Mollharmonien, wenn sie erforderlich sind.

Was aber hat es mit dem Titel der CD auf sich? Der Song mit gleichem Zahlenpaar „Belphégore 56/56“ liefert uns einige Hinweise. Liegt der Komposition nun das Geburtsjahr des Gitarristen zu Grunde, die Kindheitserinnerung an eine Fernsehserie mit Juliette Greco, das verwobene übereinander gelagerte Taktmuster des Tracks...? Was haben Titel und Musik miteinander zu tun? Ich denke, hier fließt einfach alles in seiner Person zusammen und mündet in einem intelligenten Thema mit anschließenden gekonnten Improvisationen. Dies soll zur Beantwortung einer eigentlich überflüssigen Frage reichen...

Abschließend hören wir eine ungewöhnliche Reggae-Bearbeitung von „You don´t know what love is“. Kennt man die durchaus zahlreichen Versionen dieses Liedes, z.B. die von Billie Holiday, weiß man auch um das Gefühl, das beim Hören entstehen kann, spürt die Endlichkeit des Glücks und den Verlust: „You don't know what love is ... until you’ve loved a love you've had to lose...“ Der Rhythmus der vorliegenden Bearbeitung scheint den Schmerz zumindest zu zügeln und verleiht der bitteren Vorlage eine gewisse Leichtigkeit. Warum auch nicht!

Alles in Allem beglückwünsche ich Axel Fischbacher zu seiner erfrischenden Produktion.

Axel Fischbacher 56/56 – Jazzsick Records 5066 JS