Nicht auf leisen Sohlen |

Gratkowski, Landfermann, Zoubek, Mahnig

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Köln, 15.02.2016 | Frank Gratkowski wollte immer schon mit den jüngeren Musikern der Kölner Szene zusammenspielen. In dem Kölner Loft wird dieses Vorhaben nun umgesetzt. Mit dem Pianisten Philip Zoubek, der Mitglied des IMPAKT Kollektivs ist, spielt Frank bereits in der Gruppe Shift zusammen. Auch mit dem Klaeng Bassisten Robert Landfermann ist er schon zusammen aufgetreten, einzig mit dem Schlagzeuger Dominik Mahnig, gab es noch keine Zusammenarbeit. Mit allen drei Musikern zusammen hat er bisher noch nie auf der Bühne gestanden.

Frank Gratkowski eröffnet das Konzert an der Bassklarinette und wechselt später zum Altsaxophon über.

Die Musik beginnt ruhig, mit tastenden, suchenden Tönen. Frank spielt kurze Phrasen auf der Bassklarinette, Philip Zoubek begleitet ihn mit wenigen Tönen am präparierten Flügel. Robert Landfermann setzt hier da seinen Bass ein und Dominik Mahnig setzt kurze Akzente am Schlagzeug. Nach und nach wird der Sound dichter, die einzelnen Instrumente werden intensiver. Dann verstummen die Mitspieler und lassen Frank Raum für ein Solo, dann steigt Robert Landfermann langsam ein und es entwickelt sich ein spannendes Duo von Bassklarinette und Kontrabass, nach einiger Zeit kommen Piano und Schlagzeug wieder dazu und der Sound wird wieder voller und schneller. Es gibt keine einzelnen, abgetrennten Songs, sondern zwei durchgehende Sets, in dem die Stücke bzw. Improvisationen nahtlos ineinander übergehen. Die Musik der Gruppe schwillt langsam an, erreicht eine hohe Dynamik, ist voller Energie, erreicht einen Höhepunkt und schwillt langsam wieder ab und steigert sich wieder. Ein Sound, der an die Wellen auf dem Meer erinnert, Wellentäler wechseln mit Wellenkämmen, Schaumkronen entstehen und kippen wieder in ein Tal hinein. Konsequenterweise gibt es auch keinerlei Notenblätter auf der Bühne.

Frank Gratkowski spielt im ersten Set Bassklarinette und Altsaxophon und im zweiten Set zusätzlich noch Klarinette. An allen drei Instrumenten spielt er phantasievolle Improvisationen, mit Multiphonics, Klacken, Überblasen und allem was es an Soundmöglichkeiten an den Holzbläsern gibt. Besonders furios sind seine Soli am Altsaxophon. Frank spielt zwar wie gewohnt auf Strümpfen, aber absolut nicht auf leisen Sohlen. Im zweiten Set wird der wilde Exzess des Altsaxophons von einem noch wilderen Schlagzeug begleitet. Dominik Mahnig geht mit seinem Schlagzeugspiel bis an die Schmerzgrenze. Er braucht sich hinter keinem Hardcore oder Metal Schlagzeuger zu verstecken. Im Publikum gibt es nicht nur Verständnis für dieses harte laute Schlagzeug.

Aber es war in seiner Wildheit, die angemessene Begleitung für das expressive Spiel von Frank Gratkowski. Nach diesem Vulkanausbruch am Schlagzeug, kehrte Dominik wieder zu seinen ruhigen Soundtüfteleien zurück und wird, wenn es die Musik der Mitspieler erfordert, auch wieder expressiver. Allein das Schlagzeugspiel von Dominik Mahnig hätte für einen Soloauftritt gereicht und das könnte man auch von Philip Zoubek am Flügel sagen, obwohl Frank Gratkowski mit seinen Melodieinstrumenten der Leader war. Rober Landfermann gibt wichtige Impulse für das Zusammenspiel der Gruppe und spielt spannende Duos mit Frank.

Hier sind vier Musiker aufeinander getroffen, die sich genial ergänzen, die alle eine eigene unverwechselbare Stimme und die Fähigkeit haben, sich auf die Mitmusiker einzustellen.

Man darf sich wünschen, mehr von dieser Gruppe zu hören und hoffen dass es nicht nur ein einmaliges Projekt war.

gratkowski.com/de

robertlandfermann.com

dominikmahnig.com

philipzoubek.com