​„Die Arbeit am Nachwuchs zählt“ |

Zum Spielstättenpreis ein Festkonzert

Text: Stefan Pieper, Bernd Zimmermann | Fotos: Stefan Pieper

Köln, 08.01.2016 | Spielstättenpreise sind für jeden Jazz-Veranstalter ein Aushängeschild! Mit diesem Prädikat kann man vor allem auf lokaler Ebene punkten: Eine öffentliche Auszeichnung hat viel Gewicht bei den Medien vor Ort und sorgt dadurch für eine bessere Präsenz. Im Idealfall generiert eine prominente Urkunde auch weitere Unterstützungen etwa durch die öffentliche Hand und vor allem auch durch Sponsoren! Oder ist durch einen solchen Preis weniger gefährdet gegen Kürzungsmaßnahmen oder Schließungsversuche. Daher hat die Auszeichnung, die der Landesmusikrat an herausragende unabhängige Spielstätten in Nordrhein-Westfalen vergibt, vor allem einen ideellen Aspekt.

Prämiert wurden in diesem Jahr das Dortmunder domicil, der Bielefelder Bunker Ulmenwall, das Düsseldorfer Zakk, die Aachener Klangbrücke, die Düsseldorfer Jazz-Schmiede und die für die Preisverleihungsfeier gastgebende Örtlichkeit, das Kölner Loft.

Die Jury der Spielstättenprogrammprämie bestand aus Christina Fuchs (Musikerin), Thomas Baerens (Referatsleiter Musik, Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport NRW), Dr. Bernd Hoffmann (Redaktionsleiter Jazz WDR3), David Möllmann (Initiative muensterbandnetz.de) und Annette Maye (Musikerin).

Das Preisgeld ist eher eine kleine Finanzspritze, die Hans-Martin Müller vom Loft durchaus zutreffend als „kleinen Tropfen und eben keinen großen Schluck aus der Flasche“ ansieht. Aber die Preisgelder in Höhe von 10000 bzw. 5000 Euro sind allemal besser als gar nichts, wo in der Regel bei allen Spielstätten, meist ohne einen nennenswerten Etat, ein preiswürdiger Konzertbetrieb stattfindet. Ebenso sind zu über 90% ehrenamtliche Kräfte im Einsatz, damit es überhaupt einen Konzertbetrieb in der freien Szene gibt. Die Kriterien für die Ausschreibung sind relativ eng formuliert: „Antragsberechtigt sind Spielstätten, die sich für Jazz, Improvisierte Musik und/oder avancierte Pop/Rock-Musik engagieren, dabei Nachwuchskünstlern und regionalen Bands ein Forum bieten und die Personalkosten der bei ihnen eingesetzten Kräfte selbst tragen (Techniker für Ton und Licht, Programmplanung, Geschäftsführung)“ heißt es beim Landesmusikrat. War dies ein Grund, dass von circa geschätzt 200 Spielstätten nur etwa 30 Bewerbungen für die Ausschreibung eingegangen waren? Die Jazzszene braucht eine demographische Verjüngung. Also steht sinnigerweise vor allem die Nachwuchsförderung im Fokus der Preisvergabe für herausragende Kulturarbeit. Und da machen sich nach Meinung der Jury die prämierten Spielorte ganz besonders stark, dass die vielen, schon in zartem Alter bestens ausgebildeten Musiker auch vor interessiertem Publikum spielen können.

So sieht es auch Bernd Neuendorf, Staatssekretär im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport NRW, der dann auch begründete, warum er so gerne diesen Preis überreiche. So werde durch die jungen Musiker in NRW eine beeindruckende musikalische Bandbreite abgebildet und der Landesmusikrat wolle durch seine Fördermaßnahme mit dazu beitragen, dass dies so bleibe. Neuendorf hat hier den herausragenden künstlerischen Standortfaktor NRWs im Blick: „Um den professionellen Musikernachwuchs, den wir hier haben, beneiden uns viele anderen Länder. Da können wir stolz drauf sein. Aber dieses Potenzial kann sich nur entfalten, wenn es auch Spielorte gibt. Sie sind Grundlage für die Entwicklung der Musikszene.“ Und diese wurde nun mit einem Geamt-Preisgeld von 40.000 € gewürdigt.

Das sieht auch Lena Jeckel so, die sich riesig freute, nach so kurzer Zeit im Amt der Geschäftsführerin des Bunker Ulmenwalls schon zu einer Preisverleihung eingeladen zu werden. „Die heute erhaltene Prämie können wir in unsere Nachwuchsarbeit investieren. Mit 5000 Euro kann man schon ganz schön viel anstellen. Wir könnenauch mal Junge Jazzmusiker einladen, ohne darauf gucken zu müssen, ob dies einen Gewinn abwirft. Heutzutage ist es schon unglaublich schwierig, mit Konzertveranstaltungen zu überleben.“

Es besteht kein Zweifel daran, dass dieser Preis nicht nur sehr sinnvoll und auch inhaltlich durchdacht ist. Dennoch wäre es wünschenswert, wenn im Rahmen der Preisverleihung und auch für die Öffentlichkeit eine Begründung für die jeweilige Auswahl der preisgekrönten Spielstätten präsentiert würde. Preisvergaben verfolgen nicht nur den Zweck preiswürdige Menschen, Projekte oder wie in diesem Falle Spielstätten zu ehren, sondern auch Anreize für die anderen Spielstätten im Sinne der Preisgestaltung zu schaffen. Aber dafür stand im Loft eher der festliche Rahmen im Vordergrund und das verfehlte seine atmosphärische Wirkung nicht. Die Musik, deren Rahmenbedingungen an diesem Abend gewürdigt worden waren, hatte ausgiebig das Wort. In einer Duo-Begegnung wie keiner anderen!

Annette Maye, Klarinettistin und selbst auch Jurymitglied traf auf die Sängerin, Gitarristin, Akkordeonspielerin und Flötistin Verena Guido. Beide zusammen brannten ein leuchtendes Feuerwerk in Sachen jazziger Weltmusik, Chanson und stets mitreißender Bühnenpräsenz ab. Vor allem die osteuropäischen Melodien von Klezmer, Balkanfolk und co, aber auch Songs der Beatles und von Kurt Weill hatten es den beiden Kölner Musikerinnen angetan. Anette Mayes Klarinettenton ist voller selbstbewusster Stärke und Strahlkraft. Dem entspricht Verena Guidos phrasierungsstarker Gesang in jedem Moment. Vielleicht war es die Spontaneität einer Adhoc-Begegnung, die den beiden einen solch mitreißenden Energielevel verlieh: „Wir haben nur zwei mal vorher geprobt. Das ist schon immer eine ganz besondere Aufregung.“

Die Jazzredaktion von WDR 3 stellt die Preisträger in der Hörfunk-Sendung von WDR 3 Jazz & World „Szene NRW“ am 14. Januar vor.