Filippa Gojo & Sven Decker |

Daheim

Text: Stefan Pieper | Fotos: Stefan Pieper

Köln, 18.01.2016 | Filippa Gojo geht ihren Weg. Ihre ersten Platten in verschiedenen Besetzungen brachten auf einem Prozess des Suchens schon Resultate wie keine anderen hervor. Im letzten Jahr wagte sie mit dem Solo-Album „Vertraum“ einen emanzipatorischen Befreiungsschlag: Sie selbst allein mit ihrer Stimme ohne das Netz und den doppelten Boden einer Elektronik! Und vor allem ohne Kompromisse!

Jetzt legt sie ein Duo-Album mit dem Saxofonisten und Klarinettenspieler Sven Decker vor – und diese Platte markiert gewissermaßen ein Angekommen sein – deswegen auch der Titel „daheim“.

Filippa Gojos Vokalkunst, die zwischen traditionellem Liedgesang, Jazz bis hin zu Lautakrobatik eine ganze Welt für sich markiert, trifft auf das ebensolche Klarinettenspiel von Sven Decker. Immer ganz dicht dran bleibt sein Spiel an den verqueren Ideenfeuerwerken, träumerischen Verspieltheiten oder wagemütigen Vorstößen ins Unbekannte und Harsche seitens seiner Partnerin.

Die Keimzelle für so vieles markiert schon das Opener-Stück Train Journey: Filippa Gojos Vorliebe für (gerne pentatonische) Akkordbrechungen nährt diese Kompsition. Oft begleitet sie sich selbst auf einem asiatischen Daumenklavier und singt, summt oder scattet über dieses Spiel. Dieses neue Album legt die verschiedenen Stränge dieser Ästhetik in bester Manier offen: Da ist ganz viel Liedhaftes, elegisches im Spiel, auch wenn aus einem zarten Lied in fließendem Übergang eine freie Klang- Stimm-Meditation wird. Zuweilen legt ein kleines Harmonium einen zarten Bordunton unter alles drunter. Und es leben auch verspielte, manchmal an der Grenze zur Ironie aufgebotene Jazzidiome. Viele Intervallsprünge markieren Freudenhüpfer und die ganze Ausdruckspalette ist sehr weitgespannt. Nicht selten ist der geneigte Hörer eingeladen zu einer Gratwanderung zwischen kindlichem Wortspiel und dadaistischer Lautpoesie.

Sven Decker fühlt sich in all dies wie ein symbiotischer Partner ein. So viel Verrücktheit zu beantworten, verlangt Hellhörigkeit und Spontaneität – eben was einen guten Jazzer ausmacht. Deckers Sound ist gerne rauh, zuweilen pumpt er tiefe Begleitmuster durch sein tiefes Horn, wenn Filippa die Silben tanzen oder swingen lässt- oder er spielt lange fast beschwörende Linien, um so manch filigraner vokaler Geste Halt zu geben.

Beide haben ihre Kunst in etlichen Livekonzerten miteinander verzahnt. Und als alles rund genug lief, ist nun ein Album herausgekommen.

Live ist dieses Duo aber nach wie vor zu erleben. CD-Präsentionskonzerte gibt es am Freitag, 29. Januar im Bielefelder Bunker Ulmenwall und am Samstag, 13. Februar im Kölner Stadtgarten.

CD:

Filippa Gojo & Sven Decker „Daheim“

(Green Deer Music 2015)