Grenzen öffnen |

Roman Babiks Urban Wedding Band in Wuppertal

Text & Fotos: Stefan Pieper

Wuppertal, 15.12.2015 | Es war nicht einfach Jazz oder osteuropäische Volksmusik – es war viel mehr: Eine gute, ja fantastisch gute, berührende und mitreißende Musik auf höchstem Energielevel, welche Roman Babiks Urban Wedding Band in Wuppertal seinem dankbaren Publikum weitergab.

Hier war es definitiv eine kluge Entscheidung, die Bestuhlung im Zuschauerraum wegzulassen, damit all dies auch bei den Zuhörenden ankommen konnte. Der denn der Energielevel der Urban Wedding Band ist immer auch eine körperliche Erfahrung, die Bewegungsfreiheit braucht!

Jazz ist für den Bandleader und Pianisten Roman Babik ein grenzüberschreitendes integrierendes Prinzip. Weit offen sind die Tore für die vielen Musiken aus den Weiten Osteuropas. Scheinbar nie versiegend ist der Ideenfluss in den - gerne modalen- Klavierimprovisationen von Roman Babik, wo immer wieder an der genau passenden Stelle ein ganz bestimmtes Intervall die Tore für das Neuartige, Ungekannte weit öffnet. Hellwach, hochenergetisch und extrem mitreißend ist Bodek Jankes Bühnenpräsenz am Schlagzeug. Er trommelt mit ganzem körperlichem Einsatz, ist der eigentliche „Motor“ für die bis zu neunköpfige Band - und immer ein hellwacher Kommunikator in jedem Sekundenbruchteil. Umso enthusiatischer geht es zur Sache, je unregelmäßiger die Metren sind! Ein weiteres Markenzeichen der Urban Wedding Band sind die beschwörenden Linien auf Dimitrij Markitantovs Saxofonen. Nicht selten erinnert sein Sound an traditionelle Instrumente aus diesem Kulturraum.

Neues hellhörig zu integrieren ist bei der „Urban Wedding Band“ Programm. Die kroatische Sängerin Vesna Pisarovic bereichert an diesem Abend das Konzert um alte und neue Songs aus ihrem Heimatland. Sie ist in Kroatien eine prominente Künstlerin, die schon mal in Punkbands auftrat, später beim Eurovision Song Contest mitmachte und heute als Popstar gehandelt ist. Ihr Gesang atmet Sehnsucht und dunkle Melancholie, verdichtet sich in Wuppertal nicht selten zu beschwörender Sinnlichkeit.

Noch eine andere, äußerst gewichtige Schnittstelle lotet die Urban Wedding Band an diesem Abend aus: Gleich ein ganzes Streichquartett „dockt“ an den – nicht zuletzt durch Martin Gjakonovskis Bassspiel solide vorwärts groovenden Sound der Urban Wedding Band an. Zwischendurch bekommen die Streicher vom Miki Kekenj String Quartet auch „ihre eigenen“ solistischen Einlagen - etwa in einem Piazolla-Tango.

Nach zweidreiviertel Stunden hatte man das Gefühl, gerade erst richtig warm gelaufen zu sein. Denn diese Sternstunde in Sachen zelebrierter Spielfreude hätte noch eine ganze Nacht lang so weitergehen können! Davon zeugten nicht zuletzt die endlose Begeisterungsstürme im Publikum...