Dieses Saxofon „singt“! |

Rémi Panossian Trio feat. Nicole Johänntgen

Text: Stefan Pieper | Fotos: Zbyszek Lewandowski

Mönchengladbach, 15.03.2015 | „Einfach Musik machen“ - so bringt die Saxofonistin Nicole Johänntgen ihr Credo auf den Punkt. Vor einer Handvoll Jahren traf sie auf das französische Trio um den Pianisten Remi Panossian – es wurde eine Langzeit-Verbindung daraus. Wie ansteckend-spielfreudig die Symbiose zwischen der Wahl-Schweizerin und ihren dynamisch aufspielenden Mitstreitern aus Toulouse funktioniert, bewiesen die vier bei den sehr gut besuchten Konzerten der Reihe FineArtJazz auf der Wasserburg Lüttinghof in Gelsenkirchen und einen Abend später im Gewölbekeller des Haus Erholung in Mönchengladbach.

So viel ansteckender Drive, so viel vitale Energie lebte hier bei traumhafter Beherrschung der Instrumente seitens der Protagonisten. Erfrischend direkt und zugleich wunderbar facettenreich transportieren die Stücke ihre Botschaften: erdige Blues-Harmonien und knackiger Funk lassen es über weite Strecken mehr rocken als swingen. Aber zwischen eingängig- vertrautem Vokabular lebt ein ausgeprägter Sinn für Unvorhergesehenes – vor allem für eine stark wirkende atmosphärische Ausgestaltung. Typisch-französisch könnte man auch sagen. Und sie blühen hier nur so auf, die weitgespannten melodiösen Parts, die den Hörer wie warme Wellen in Trance versetzen.

Die in der Schweiz lebende Saarländerin, fand nicht zuletzt in Cannonball Adderley eine wichtige Inspirationsquelle, zeigt sich als große, ausdrucksstarke Stimme auf Sopran- und Altsaxofon. Es ist ein Geben und Nehmen im besten Sinne, was zwischen ihr und dem französischen Trio herrscht: Remi Panossians Pianistik ist von unaufgeregter Virtuosität und zugleich extrem variantenreich. Schlagzeuger Frédéric Petitprez und Bassist Maxime Delporte hören sich in die etwas spezielle Akustik der stilvollen Lokalitäten gut hinein und geben der empfindsamen „Frontfrau“ am Saxofon alle Energie, die diese braucht. So kann deren Spiel auch in jedem Moment tiefempfunden „singen“. Entsprechend wirken die Stücke dieser Band wie imaginäre Songs. Nach Nicole Johänngens eigenem Bekunden handeln sie von Liebeserfahrungen, aber auch von Reiseerlebnissen. Sie, wie auch ihre drei hellwachen Mitmusiker kommen ja durch ihr Tun ausgiebig in der Welt herum!