Festivals in NRW

Japanische Impressionen |

Pascal Schumacher & Friends eröffnen Münsterland Festival 2015

Text: Stefan Pieper | Fotos: Bernd Zimmermann

Warendorf, 22.09.2015 | Das Münsterland Festival lädt zu neuen Entdeckungen ein – auch was Spielstätten für den Jazz betrifft. Da gibt es etwas versteckt mitten in der Warendorfer Innenstadt ein altehrwürdiges Lichtspielhaus, in welches nach der Kino-Ära nun die Kultur weiterleben darf.

Das 8. Münsterland-Festival richtet in diesem Jahr den Fokus auf den kreativen Output in den Benelux-Ländern. Und es gibt hier Jazzmusiker der jüngeren Generation, die nicht mehr so sehr mit dem Erbe der altehrwürdigen Jazzlegenden sozialisiert wurden, sondern die eben auch Rock und Pop aufgesogen haben. Die in der glücklichen Lage sind, die Welt mit ihrer vibrierenden kulturellen Vielfalt bereisen zu können. Pascal Schumacher, ein Vibrafonist aus Luxemburg versammelte im Theater am Wall einige seiner besten Freunde um sich.

Die Folge war ein großer Abend, der bereicherte und entrückte – und der vor allem viel mehr Publikum als die gerade einmal anwesenden rund 200 Zuhörer verdient hätte! Der Vibrafonist verarbeitet mit dem Konzert die jüngsten Impressionen einer Konzertreise nach Japan, an denen er das Publikum durch charmante Anmoderationen der Stücke teilhaben lässt. Er fühle sich stark durch die Gegenwart Japans, vor allem die dort allgegenwärtige Ambivalenz zwischen hochmodernen Aspekten und einer tiefen verwurzelten Tradition inspiriert. Und obwohl er mit seiner Band an diesem Abend auch Klänge aus der japanischen Musikkultur in sein Spiel einbringt, bleibt die Tonsprache doch immer eine eigene, authentische. Keine Spur von Hausieren-gehen mit touristischen Attributen. Das hier ist echt und einfach nur von jener Inspirationskraft genährt, die von frischen, neuen Eindrücken ausgeht.

Die Band auf der Bühne wird phasenweise zu einem kleinen Orchester. Dabei ist Schumachers Spiel auf den Mallets an sich schon orchestral genug. Da breiten sich Schwingungen aus, glitzernde Teppiche aus Obertönen, perkussiven Texturen, so dass es allein schon unter den Schlegeln des Luxemburgers mächtig groovt phasenweise. Damit eng verzahnt ist der Klaviersound seines belgischen Mitstreiters Franz von Chossy – ein pulsierendes Spiel voller Tiefe und Beredsamkeit, aber auch mit einem starken Bewusstsein für alle klanglichen Schwebungen und Schwingungen, welche an Schumachers Spiel bestens Anschluss finden. Schlagzeuger Jens Düppe schöpft aus kluger Ökonomie viel Wirkung, zaubert viel Dramatik, durch dynamische Crescendi, gibt dem musikalischen Fluss einen fordernden, durchaus rock-affinen Drive. Bassist Pol Belardi liefert dazu viele dunkle Hintergrundfarben, lässt sein Instrument aber auch im besten Sinne singen.

Hinzu kommt eine punktuell eingesetzte Bläsesersection aus Trompete und Saxofon und vor allem: Quentin Manfroy auf der Querflöte. Seine Soli leuchten und gleißen, dass hier pure Sinnlichkeit in der Luft liegt. Der gemeinsame Nenner ist hautnah spürbar im Theater am Wall: Ansteckende Spielfreude und ein Maximum an melodiöser Ausdruckskraft. Die Arrangements der Stücke sind kaum von Jazz-Standards genährt, atmen dafür viel öfter den Gestus von Rock- oder Popsongs. Das reicht aus, dass viele Zuhörer in der Pause darüber diskutieren, ob sie sich überhaupt in einem „Jazz-Konzert“ befinden. Das liefert auf jeden Fall herrliche Schwebezustände zum Wegträumen.

Richtig cineastisch wird es auch, wenn die Band sich auf die Pfade von Ruichi Sakamoto begibt. Pascal Schumacher agiert rasant, farbenreich und wandlungsfähig. Der Luxemburger ist auf jeden Fall einer der begnadeten Spieler auf dem Vibrafon – und einer der modernsten dazu. Neben jazzrockigem Breitwandformat liefert der Abend große Momente von filigraner Sensiblität,, gipfelnd in einem hauchzarten Duett zwischen Vibrafon und Flöte, bei dem ein Song von Milton Nascimento Pate stand.

Ohne Atempause gehen die regionalen Entdeckungsreisen beim Münsterland-Festival weiter: Warm anziehen sollte man sich für Überraschungskonzert in einem „Eiskeller“ in Altenberge. Dieses Gewölbe gehört einer ehemaligen Brauerei. Hier gastiert morgen Abend, also am 23.9. eine Sängerin, deren Name noch geheim gehalten wird.

Im Stadtmuseum Borken gastiert am Freitag 25. 9, die belgische Singer-Songwriterin Sarah Ferri. Die Belgierin mit italienischem Blut in den Adern vereint Gene aus Gent und mediterranes Gefühl zu einem leichtfüßigen, bisweilen melancholischen Songwriter-Pop mit eigenwilligen Texten.

Zeitgleich bespielt eine weitere luxemburgische Spitzenformation das Kloster Bentlage in Rheine: Nach hierhin kommt Jeff Herr mit seinem Trio, mit dabei Maxime Bender und Laurent Payfert.

Das Münsterland-Festival geht noch bis zum 24. Oktober. Komplette Infos und sämtliche weiteren Termine unter www.muensterland-festival.de