Zufälliger Tod eines Anarchisten |

Niescier-Zanchini-Senni im Stadtgarten

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Köln, 17.03.2015 | „Morte accidentale di un anarchico“ (Zufälliger Tod eines Anarchisten) ist der Titel des Eröffnungsstücks des zweiten Sets. Simone Zanchini hat es in Anlehnung an das gleichnamige Theaterstück von Dario Fo geschrieben. Es soll an den Tod des Anarchisten Giuseppe Pinelli (15.12.1969) erinnern, der aus dem Fenster des Polizeipräsidiums in Mailand “gestürzt worden“ ist. Pinellis gewaltsamer Tod hat in der italienischen Kunst vielfältige Spuren hinterlassen. So setzt auch dieses Jazztrio Pinelli ein Denkmal. Es ist ein schnelles Stück, das Aufregung und Widerstandsgeist spüren lässt.

Gefolgt wird es von “Then“ eine Art Gegenpol zum Stück “Now“, dass den Abschluss des ersten Sets bildet. Beides Kompositionen von Angelika Niescier, die sehr fein und ruhig beginnen und unterschiedliche musikalische Orte in Gegenwart und Vergangenheit erkunden. Zwei spannungsgeladene Stücke mit Tempowechseln, ungestümen Parts und von Coltrane inspirierten Saxophonpassagen. Die Läufe von Angelika Niescier sind unangestrengt leicht und sie ist dabei immer in Zwiesprache mit dem Akkordeon von Simone Zanchini und dem Bass von Stefano Senni. Ein Akkordeon in einem Trio kann Erwartungen auf bearbeitete Volksmusik aufkommen lassen. Aber nur das erste Stück, das “in die heutige Zeit versetzte“ (Niescier) Weihnachtslied „Maria durch den Dornwald ging“ und das letzte Stück, ein bearbeitetes polnisches Volkslied, greifen direkt Themen aus der Volksmusik auf und überführen sie in ein Jazzidiom.

Die drei Musiker bilden ein eingespieltes Trio, dessen farbenfrohes Spiel den Zuhörern im gut besuchten Kölner Stadtgarten viel Freude macht. Getroffen haben sich die Musiker 2012 auf dem Südtiroler Jazzfestival in Bolzano. Aus dieser eher zufälligen Zusammenarbeit ist ein spannendes musikalisches Projekt entstanden, das seinen Niederschlag im gerade erscheinen Album “Now“ gefunden hat, aus dem die meisten der Stücke des Abends stammen. Das Publikum erlebte ein abwechslungsreiches Konzert mit einer nicht alltäglichen Instrumentierung. Angelika Niescier zeigt einmal mehr, dass sie zu den führenden Saxophon-Stimmen in Deutschland zählt.