Von Nigeria nach Vietnam |

Nguyen Le – Fire and Water Trio

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Essen, 10.03.2015 | Idoma ist der Name eines Stammes aus Nigeria, in dessen Tradition es weiße Masken mit Schlitzaugen gibt, die asiatisch anmuten. “Idoma“ ist ein nahezu programmatischer Titel des französisch-vietnamesischen Gitarristen Nguyen Le, der Musik aus verschiedenen Kulturen in das Idiom des Jazz überträgt. In dem Stück wird Jazz mit starken Einflüssen vietnamesischer Musik über eine Pygmäen Melodie gespielt. Damit eröffnet das neue Trio von Nguyen Le “Fire And Water“ seinen ersten öffentlichen Auftritt, eine “Weltpremiere“ in der Waschkaue der Zeche Carl.

Nguyen Le wird begleitet vom kanadischen Bassisten Chris Jennings und dem Perkussionisten Stephane Edouard. Die beiden großartigen Musiker treiben sich gegenseitig im Spiel an und geben der Gitarre von Nguyen Le eine komplexe Rhythmusgrundlage. Stephane Edouard bringt dabei seine südindischen Wurzeln in sein lebendiges leichthändiges Spiel mit ein.

Chris Jennings, dessen Frau aus dem Iran stammt, steuert mit seiner Komposition “Teheran“ eine spannende Fusion von Jazz und persischen Klängen bei. Stephane Edouard begleitet das Stück auf der südindischen Ghatam (eine besondere Art Tongefäß) und unterstreicht damit die orientalische Note.

Aber Nguyen Le lässt sich nicht nur von Weltmusik inspirieren. So spielt das Trio auch das berühmte Stück “Money“ von Pink Floyd. Nguyen Le hat das klassische Pink Floyd Album “The Dark Side Of The Moon“ für die NDR Bigband arrangiert und spielt den Song nun in Triobesetzung. Ein so bekanntes Stück der Rockgeschichte zu bearbeiten ist eine Herausforderung, da jede Passage des Originals den meisten Zuhörern bekannt sein dürfte.

Aber ebenso wie es Nguyen Le gelungen ist, Pink Floyd mit einer Bigband in die Sprache des Jazz zu übertragen, so schafft er es auch mit dem Trio Fire And Water aus “Money“ einen spannenden modernen Jazzsong zu machen.

Das Publikum ist begeistert und gibt kräftigen Beifall. Als Zugabe spielen die Musiker den Jazz Klassiker “Straight No Chaser“ von Thelonious Monk. Dieser Standard hört sich bei Nguyen Le an wie ein Out Take aus einer Jimi Hendrix “Voodoo Child“ Session. Nguyen Le schafft es, Elemente von Jazz, Rock und so wie verschiedene Arten der Weltmusik so zusammen zu bringen, dass sie eine neue organische Einheit bilden. Der Abend in der Zeche Carl zeichnet sich durch eben diese musikalische Bandbreite aus. Hier spielt einer der kreativsten Gitarristen der zeitgenössischen Jazzszene in einem großartigen Trio. Leider war das Konzert nicht so gut besucht, wie es ihm gebührt hätte, aber die anwesenden Zuhörer waren begeistert.