Angekommen sein |

Gjertrud Lunde und ihre Band im stadt.bau.raum

Text: Stefan Pieper | Fotos: Bernd Zimmermann, Peter Luttke

Gelsenkirchen, 18.01.2015 | „Dieser Raum hat einen wunderbaren Nachhall und die ganze Atmosphäre inspiriert einfach“, waren die ersten Worte des Schlagzeugers Bodek Janke nach dem Konzert im stadt.bau.raum. Die Energien dieses Raumes seien deutlich andere als etwa in einer Kirche: „Es fehlt diese Schwere, die sich oft in sakralen Räumen über alles legt – hier fühlt sich alles so leicht an“.

Und von solchen Energien lässt sich die "Hauptperson" dieses Abends mächtig forttragen: Gjertrud Lundes Gesang wirkt so nah und innig, zugleich von tiefer innerer Ruhe und heller Freude getragen. Die Songs ihres aktuellen Albums „Hjemklang“, aber auch einige ganz neue Songs bilden das Repertoire dieses intensiven Abends. Sehr persönlich aus eigener Feder kommend, oder auch stark metaphorisch aus der Feder von Autoren, die sie schätzt kommen ihre Songs. Und sie beschreiben immer wieder, worauf der norwegische Titel auch hindeutet: „Heimkommen“ heißt dieser übersetzt. Gjertrud Lunde ist bei sich angekommen mit diesen Stücken, dieser Musikästhetik, dieser Band, die ihr auf ihrer aktuellen CD aber auch an diesem Abend in Gelsenkirchen ein sehr feinfühliges Rückgrat gibt.

Nach einer langen Karriere im klassischen Gesangsfach entdeckte sie das Songwriting, befreite sich von vor aller opulenten Gesangstechnik, wie sie vor großen Orchestern und auf Opernbühnen gefordert ist, kam bei sich selber an. Das ist so viel zarte Sehnsucht und tiefe Melancholie im Spiel. Nordische Melodien stehen im Zentrum, wo sie auch in ihrer Muttersprache singt. Aber sie liebt auch andere Sprachen, vor allem das französische Idiom und auch die Chansons aus dieser Kultur. Gjertrud Lundes Artikulation ist immer glasklar, wie sie den Atem, die Tonhöhen hält.

Einige Stücke kehren auch - vor allem unter den hiesigen atmosphärischen und akustischen Bedingungen – etwas folkhaftes heraus. Und diese Sängerin wird mit ihrer Band eins: Wolfert Brederode formuliert in beredten Klavierexpositionen die Themen der Songs und legt unaufdringlich samtige Klangteppiche, auf denen Florian Zenker auf der elektrischen Gitarre ebenso unterwegs ist. Und Bodek Janke macht seinem Ruf als Kosmopolit auf dem Schlagzeug aller Ehre. Seine Rhythmusarbeit ist so chamäleonhaft wandelbar, dass sie auch allen subtilen Nuancen von Gjertrund Lundes Gesang gerecht wird. Dafür gebraucht er das klassische Drumkit, aber auch Tablas, deren Spiel Bodek Janke in Indien gründlich studierte. Schließlich kam dieser empfindsame Abend mit einem nordischen Wiegenlied in seine Zielgerade.

Umrahmt werden die Konzerte der so erfolgreichen Reihe FineArtJazz Gelsenkirchen ab diesem Jahr von kleinen Ausstellungen Gelsenkirchener Künstler (aktuell Sabine Leichner-Heuer und Christel Klarhöfer vom Bund Gelsenkirchener Künstler), die diesem Konzert eine zusätzliche wohlig dichte Atmosphäre in der Industriekulisse des Gelsenkirchenr stadt.bau.raums gaben.

CD:

Gjertrud Lunde: Hjemklang

Ozella Music 2014