Finis Terrae – Klänge vom Ende der Welt |

Neue Musik aus Chile

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Köln, 17.11.2015 | Am 11.11. war der Kammermusiksaal des Deutschlandfunks eine schunkelfreie Zone in Köln. Statt Karneval stellten fünf Komponisten aus Chile zeitgenössische Musik vor. Ein Projekt des Kulturaustausches mit Chile, das bereits vor über zwei Jahren begann. Alejandro Guarello, Pablo Aranda, Ramon Gorigoitia, Boris Alvarado und Aliocha Solovera, alle fünf chilenische Komponisten von internationalem Rang, trafen sich 2013 mit dem Ensemble Musikfabrik in Köln zu einem Composer Collider.

Die chilenischen Komponisten brachten Fragmente ihrer Kompositionen mit nach Köln und arbeiteten daran gemeinsam mit den Musikern der Musikfabrik.

Die erarbeiteten Stücke waren das Rohmaterial, welches in der Folgezeit verändert und erweitert wurde und schließlich zu den Musikstücken führte, die am 11.11. in Köln uraufgeführt wurden.

Der Veranstalter war Inoca e.V. (International Network of Chilean Artists). Aber, wie jeder weiß, stehen hinter solchen Vereinen immer konkrete Personen. Der Mann, der seit vielen Jahren unermüdlich am Austausch von Neuer Musik aus Chile und Deutschland arbeitet, ist der seit 30 Jahren in Köln lebende Komponist Ramon Gorigoitia.

Er hat Komposition bei Bojidar Dimov am Konservatorium in Köln, Jazz & Komposition an der Musikhochschule Köln, sowie Musikwissenschaften und Phonetik an der Universität Köln studiert.

Ramon Gorigoitia hat für das Finis Terrae Projekt das Werk „Transgresiones“ (Übertretung von Grenzen) geschrieben. Das Kernstück der Komposition ist der berühmte Gedichtzyklus „Canto General“ von Pablo Neruda. Gorigoitia sagt über sein Werk: „ Aus der lyrischen Struktur dieses Gedichtzyklus entnehme ich in einem Transkriptionsprozess die einzelnen Bestandteile, das Tonhöhenmaterial, sowie den Puls und Rhythmus vom Anfang des Stückes.“

Bei der Beschäftigung mit Neruda ist der Komponist auf einen spanischen Chronisten aus dem 16. Jh. gestoßen der den Kampf der Spanier gegen die Mapuche Indianer beschreibt. Die elfsilbigen Verse dieses Textes bestimmen Metrik und Tempo des mittleren Teils.

Das Gedicht „An Kindes statt“ von Erich Fried ist ein weiterer Text, der für die Kompositionvon Bedeutung war. Ramon Gorigoitia hat in sein Werk auch Jazz Elemente eingearbeitet. Auch hiermit hat er Grenzen überschritten.

Zur Aufführung von „Transgresiones“ gehören szenische Bewegungen der Musiker, die durch besondere Beleuchtung unterstrichen wurde.

Ein ungeheuer komplexes Werk mit vielen Ebenen, die sich natürlich nicht alle beim einmaligen Hören erschließen lassen.

Das gilt auch für die Werke der anderen Komponisten. So ist das Werk Mufa (Musikfabrik) von Alejandro Guarello ein rhythmisch angelegtes Werk, das um die drei Primzahlen 3,7 und 11 organisiert ist. Die Zahlen treten durch Gruppierung von Figuren und durch rhythmische und Tonhöhe betreffende Kombinationen in Erscheinung.

Während, die beiden genanten Komponisten mit dem ganzen Ensemble arbeiteten hat Pablo Aranda, der bei Johannes Fritsch an der Kölner Musikhochschule studiert hat, ein Werk für Flöte, Klavier und Violine geschrieben. Sein Werk „Alma“ ist eine Art Puzzle, das aus einem Duo von Violine und Klavier und ein Solo für Flöte besteht, wobei auch Klavier und Violine ein Solo haben. Diese einzelnen Teile lassen sich untereinander verschieben und neu zusammensetzen.

Boris Alvarado hat sein Werk „Alla“ für Blechbläser und Schlagzeug geschrieben und setzt damit an das Werk "Eonta" von Yannis Xenakis an und führt dies eigenständig weiter.

Den Abschluss bildet „Fuegos de Artificio“ (Feuerwerk) von Aliocha Solovera, wieder ein Werk für das ganze Ensemble.

Der Titel schlägt sich allerdings nicht in der Musik nieder. Das Stück beschäftigt sich eher mit dem Aspekt der Symmetrie von Mikro- und Makrostrukturen.

Diese vielschichtige und komplexe Musik von fünf unterschiedlichen Komponisten wurde von den MusikerInnen des Ensemble Musikfabrik unter Leitung von Johannes Schöllhorn auf hervorragende Weise vorgetragen. Die MusikerInnen des Ensemble Musikfabrik haben aber nicht nur die fertigen Werke gespielt, sondern sind auch maßgeblich am Entstehungsprozess der Kompositionen beteiligt.

Wir können nur hoffen, dass der Kulturaustausch mit Chile weiter so gut funktioniert und wir auch in Zukunft so spannende und anspruchsvolle Musik vom Ende der Welt in NRW hören können, wie an diesem Abend im Deutschlandfunk.

Ensemble Musikfabrik: Helen Bledsoe, Flöte; Peter Veale, Oboe; Carl Rosman, Klarinette; Elise Jacoberger, Fagott; Christine Chapman, Horn; Marco Blaauw, Trompete; Bruce Collins, Posaune; Melvyn Poore Tuba; Benjamin Kobler, Tasteninstrumente; Dirk Rothbrust, Schlagzeug; Arturo Portugal Schlagzeug; Hanna Weirich, Violine; Axel Porath, Viola; Dirk Wietheger, Violoncello.

Der Sendetermin des Deutschlandfunks von Finis Terrae wird noch bekanntgegeben.

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