Festivals in NRW

Jazzfest Bonn |

Hanno BuschTrio/Peter Evans`Zebulon Trio

Text: Uwe Bräutigam | Fotos: Bonner Jazzfest

Bonn, 14.05.2015 | Im Rahmen des 6. Bonner Jazzfestes spielen das Hanno Busch Trio und Peter Evans`Zebulon Trio am 11.5.15 in der Brotfabrik in Bonn-Beul. Eine Besonderheit des Bonner Jazzfestes sind die vielen verschiedenen Spielstätten. Vom Post Tower, über das Haus der Geschichte bis zum Telekom Forum finden zehn Doppelkonzerte immer an anderen Orten statt. Peter Materna, der künstlerische Leiter des Jazzfestes, hat die beiden Bands, aus Köln und New York für dieses Doppelkonzert in der Brotfabrik ausgewählt, weil sie jeweils eine der großen Jazzmetropolen vertreten.

Hanno Busch (g), spielt zusammen mit Claus Fischer (b) und Jonas Burgwinkel (dr). Das Trio spielt einen modernen Jazz, der in keine Schublade passt und Funk oder Rockelemente ebenso verarbeitet, wie klassischen Jazz und Pop. Hanno Buschs Kompositionen bzw. Arrangements sind rhythmisch und harmonisch interessant aufgebaut. Und das einzige was bei ihnen vorhersehbar ist, ist die Überraschung und der Bruch. Die drei Musiker ergänzen sich großartig. Die luftigen Gitarrenläufe von Hanno Busch werden vom einem erdigen Funk des Bassisten Claus Fischer getragen und weitergeführt und Jonas Burgwinkel bringt am Schlagzeug immer neue rhythmische Elemente als Bereicherung ein. Jonas ist kaum zu halten. Er begleitet ein Basssolo derart furios, dass Hanno Busch in der Ansage scherzhaft kommentiert: „Das war ein Bass Solo von Claus Fischer, falls es nicht alle mitbekommen haben, da Jonas Burgwinkel in der Band ist.“ Das Trio hat fast alle Songs ihres von der Kritik einhellig gelobten Debüt Albums “Absent“ gespielt. Busch erklärt, dass einige der Songs auf dem Album, ursprünglich für eine Filmdokumentation über ein schwules Rugby Team in Australien entstanden sind. An die Energie eines Rugby Teams erinnert das Schlagzeugspiel von Jonas Burgwinkel am heutigen Abend definitiv. Es macht Spaß diesen drei innovativen Musikern zuzuhören. Das Publikum ist begeistert. Als Zugabe spielt Hanno Busch Solo das Stück “Late by Five“, dass nicht auf dem Album ist.

Nach den Kölnern spielen die Musiker aus New York. Das Zebulon Trio besteht aus Peter Evans (t), John Hebert (b) und Kassa Overall (dr). Der Trompeter Peter Evans wird in der Jazz Szene von Big Apple hoch gehandelt. Was die US Amerikaner gemeinsam mit ihren Kölner Kollegen haben, ist das hervorragende Zusammenspiel, die technische Perfektion und den ganz eigenen Sound. Musikalisch sind allerdings sehr unterschiedlich. Die druckvolle Trompete von Peter Evans dominiert die Band vollkommen und es ist ein Wunder, wie der Bassist und der Drummer ihren Raum finden. Und das tun sie weiß Gott. Ich habe wirklich viele Trompeter auf der Bühne gesehen und noch mehr in Live Mitschnitten, aber Peter Evans ist ein Phänomen. Er spielt ein 15 bis 20 Minuten langes Solo, setzt nur kurz aus und spielt wieder ebenso lange. Praktisch hat er fast über eine Stunde durchgespielt, auf zwei Stücke verteilt, in hohen Registern mit unheimlicher Energie. Allein die körperliche Leistung ist schon beeindruckend. Seine Soli sind eine schnelle Folge von Doppelnoten, manchmal perkussiv gespielt, den Beat der Drums begleitend, darin eingeflochten eine kleine Melodie, die an Miles oder eher noch Dizzy Gillespie erinnert, um dann wieder in nervösen kurzen Stößen überzugehen. Trotzdem finden die drei Musiker immer wieder zusammen, auch wenn sie weit auseinander gelaufen sind. Peter Evans hat in Bonn demonstriert, was er meint, wenn er sagt, dass er die Möglichkeiten der Trompete weiter ausnutzen wolle, als dies bisher geschehen sei.

Dieses Doppelkonzert des Bonner Jazzfestes hat wieder gezeigt, welche innovative Kraft im Jazz steckt und wie unterschiedlich Musiker sie ausdrücken können.