Verführerische Weltreise |

Amaka Trio setzt glanzvollen Schluss-Akkord

Hürth, 03.04.2015 | Dafür, dass Heidelberg eine Jazz-Metropole ist, liefert das Amaka Trio den besten Beweis: Sowohl die Sängerin Amaka, als auch Hans-Günter Adam, der Pianist des Trios, stammen vom Neckar. Zusammen mit seinem Schlagzeuger Hajo Hök kam das Ensemble in den Jazzkeller in der Hermülheimer Straße und setzte den glanzvollen Schluss-Akkord des Konzertreigens, den der Jazzclub Hürth mit der Veranstaltungsreihe «Jazzmix im März» entfacht hatte.

Das Hürther Publikum kennt Amaka seit geraumer Zeit. Oft wird sie mit Diven wie Ella Fitzgerald und Sarah Vaughan verglichen. Dabei erinnert Amakas Gesang vor allem an Billie Holiday, ohne in die schmerzlichen Abgründe zu führen, die bei Holiday immer mitklingen.

Entsprechend erwartungsvoll fieberten die Zuhörer im bis auf den letzten Platz besetzten Jazzkeller dem Auftritt der Sängerin entgegen, die schließlich barfüßig und in einer schillernd goldbraunen Robe die Bühne betrat, als wollte sie dem stürmischen Hürther Wetter draußen trotzen. «Good evening! Guten Abend», hauchte Amaka kurz ins Mikro, bevor sie das Publikum bereits mit den ersten Tönen des Konzerts in ihren Bann zog. Die erste Nummer des Abends war eine Hommage an die nigerianischen Wurzeln der Sängerin, die sich in renommierten Londoner Clubs einen Namen gemacht hat und seit fünf Jahren wieder in ihrer deutschen Heimat lebt. Doch Afrika sollte nur eine Station der verführerischen Weltreise sein, die Amaka in den folgenden Stunden zusammen mit dem Publikum unternahm. Ihre Inspirationen holte sie sich im weiteren Verlauf des Konzerts in Brasilien, der Karibik, den Blues- und Jazzmetropolen Nordamerikas und in Europa. In einem Dialog aus tiefgründigen Eigenkompositionen, Jazz-Standards, Bossa-Nova, Pop, Blues, Soul und Reggae verdichtete sich das Programm mit jedem Song und fächerte eine Bandbreite auf, die durch den unverwechselbaren Stil und die Musikalität der Sängerin zusammengehalten wurde. Im subtilen Zwiegespräch mit dem virtuosen Trompeter Terence Ngassa, der während der zweiten Nummer des Abends zu den Musikern auf die Bühne stieß, streichelte Amakas Stimme verführerisch über die Melodien und verlieh den Texten Nachdruck. Mit eleganten Bewegungen ihrer Hände unterstrich Amaka das Gesungene, wenn sie in einem Standard wie «Nature Boy» der Bedeutung des Liedes nachspürte, dem Klassiker «Round Midnight» eine ganze eigene Note verlieh oder Boney M.s Disco-Hit «Sunny» zu einer kosmopolitisch-coolen Nummer machte.

Nicht nur hier hatte Terence Ngassa Gelegenheit, geradezu irrwitzige Tonkaskaden und mitreißende Soli zu spielen. Hans-Günther Adam zeigte sich als wandelbarer Tastenlöwe und fand in einer schier unerschöpflichen Vielfalt an Klangwelten stets den richtigen Ton. An der Percussion zeigte sich Hajo Hök als ausgesprochen sensibler und musikalischer Taktgeber. Günter Reiners, Vorsitzender des Jazzclubs Hürth e.V., zeigte sich nach dem Konzert derart begeistert, dass er vor dem jubelnden Publikum versprach, das Trio im nächsten Jahr erneut nach Hürth zu holen und feststellte: «Das, was wir heute gehört haben, war nicht nur eines der längsten Konzerte, die wir je im Jazzkeller hatten. Es zählt auch zu den absoluten Sternstunden der vergangenen Jahre!» Das Publikum sah es genauso und entließ Amaka nicht eher, bis sie sich mit einer weiteren Gänsehaut-Nummer endgültig verabschiedete. Auf den nächsten Auftritt des Amaka Trios im Jahr 2016 freut man sich in Hürth schon jetzt.