Satt und druckvoll |

Wolfgang Schmitdke Electric Quartet

Text & Fotos: Bernd Zimmermann

Wuppertal, 11.02.2013 | Die Jazzreihe "Nachtfoyer" in den Wuppertaler Bühnen hat Tradition. Am Samstagabend spielte Wolfgang Schmitdke vor mehr als 130 begeisterten Zuschauern mit seinem neuen "electric quartet".

Idee und Stilrichtung ist allerdings nicht neu. Bereits Anfang der 1990er Jahre gründete Schmitdke gemeinsam mit Jan Kazda die Gruppe "Das Pferd", mit der die beiden "Weather Report" süchtigen diese Art von Musik spielten. Nun 20 Jahre später zelebrieren die beiden "Pferd-Gründer", verstärkt durch Rene Creemers an den Drums und Roman Babik an den Keyboards diese Musik neu. Sieben neue Stücke schrieb der Chef für diese Formation.

Schnell wurde an diesem Abend klar, dieses Quartet hätte auf keiner Position anders besetzt werden dürfen. Zurückhaltend, aber die Solisten gefühlvoll unterstützend und exzellent die Brücke schlagend zum Schlagzeug, Jan Kazda. Rene Creemers brillant am Schlagzeug. Einzige Kritik, warum kein Drumsolo? Und dann noch Roman Babik. Was der gerade mal 31-jährige Tastendrücker an Soli produzierte war ohne jegliche Übertreibung - sensationell. Hoch musikalisch und rhythmussicher lieferte er ein ums andere Mal seine genialen Beiträge zu den spannenden Kompositionen ab. Schmitdke lieferte mit seinem, mal an Wayne Shorter, dann wieder an David Sanborn erinnernden Saxophonspiel die Themen und begeistere ebenfalls mit beeindruckenden Soli.

Natürlich reichten dem restlos begeisterten Publikum die sieben Stücke nicht und so kam es, wie es kommen musste. Als Zugabe eine Adaption von Weather Report's "Teen Town".

Satt, druckvoll und spannend. Was kann man von einem Jazzkonzert mehrverlangen?Einziger,aber fetter Wermutstropfen: Nicht mehr lange, dann werden nur noch die Historiker über die Aktivitäten der Wuppertaler Bühnen schreiben, denn das Traditionshaus, in dem u.a. Pina Bausch die meisten Ihrer Produktionen geschaffen und uraufgeführt hat und eben diese wunderbare Jazzreihe stattfand, wird Mitte des Jahres geschlossen. Ob das, unter Denkmalschutz stehende Gebäude jemals wieder eine künstlerische Heimstatt sein wird, ist noch völlig offen.

Die Jazzreihe unter der künstlerischen Leitung von Wolfgang Schmitdke wird aber fortgesetzt. Wo genau steht noch nicht fest.