Festivals in NRW

Viel junges Volk |

moers festival 2012

Text & Fotos: Kurt Rade

Moers, 09.06.2012 | Mit Kamera und Freunden, machten wir uns nun zum dritten Mal auf den Weg nach Moers. Vom Parkplatz bis zum Zelt waren ca. 800 Meter zu laufen. Der Zeltplatz am Festivalzelt war voll und es machte große Freude zu sehen, dass viele junge Menschen den Jazz für sich entdeckt haben. Auch im Festzelt war die Begeisterung der jungen Zuhörer groß. Los ging es mit Jazz aus Myanmar, dem ehemaligen Burma.

Myanmar meets
Hier ging es auch gleich rasant los. Die burmesischen Musiker begannen in ihrer Traditionellen Musik und vor unserem Auge wurde eine andere Welt sichtbar. Mit vielen Gongs, Percussion und der Burmese Oboe verzauberten sie unsere Ohren. Langsam und mit viel Gefühl, tauchten die Europäischen Musiker in die Musik ein und bildeten eine Synthese was Ohrenschmaus pur war. Hervorheben, muss ich hier die Schlagzeugerin Anne Paceo, die mit sehr großem Einfühlungsvermögen Akzente setzte.

Dus-ti
Mit Dus-ti, hielt die Moderne wieder ihren Einzug. Mit dem Rausch der Elektronik und freier das Chaos unserer Zeit darstellenden Musik brillierten beide Musiker mit ihren Instrumenten. Mit großem Tempi, irren Trompeten Stakkatos und einem sich völlig verausgabenden Drummer hielten sie uns den Spiegel unserer hektischen und manche Dinge fragwürdigem tun vors Gesicht.

Phall Fatale
Eine Mischung von Moderne, Elektronic, Tradition, Gesang, Hip Hop, Jazz, Rhytm`n`Blues und Noise ergaben eine Klangwelt die mit reguliertem Chaos gleichzusetzten ist. Verzerrte Stimmen, schlagende Bassseiten und ein kochender Drummer ergaben ein ungewöhnliches Klangerlebnis das in eine andere Musikwelt eintauchen ließ.

Erik Friedlander
Nun ein Gegensatz der nicht anders sein könnte. Erik Friedlander, ein Meister des Cellospiels der mit den Fotos seines berühmten Vaters und den Erinnerungen seiner Kindheitsreisen seinen Gefühlen freien Lauf ließ. Wuchtige Klänge, Melodien voller Farben und Energie, warm, schwungvoll und mitreißend eroberte er die Zuhörer. Was muss das für eine tolle Kindheit gewesen sein. Wer kann, sollte diesen Musiker nicht verpassen, ein Höhepunkt des Festivals.

Carla Bley „La Lecon Francaise“
Die „Grande Dame“ des Jazz gibt sich die Ehre und bereichert uns mit einer fulminanten Jazz-Symphonie. Hier erleben wir wie die Tradition und das Moderne zu einer Synthese gepaart mit grandiosem Können zu einer zeitlosen Musik gewachsen ist. Melodien von ergreifender Schönheit und Reife versinken in uns und lässt die Seele schweben. Wo ist Zeit und Raum geblieben? Alle geben ihr Bestes und der Knabenchor fügt sich toll ein. Das Publikum hört wie gebannt zu und entlässt Carla Bley mit Musikern unter tosenden Applaus.

Rocket Science
Nach einer Pause die notwendig war, ging es zur vorletzten Band des Abends. Mit Evan Parker stand eine Legende des modernen Jazz auf der Bühne. Auch hier stellt sich die Frage, von der Einordnung dieser Musik. Alle spielen mit ihren Instrumenten webende Klangteppiche und fügen diese zu einem großen Ganzen zusammen. Man muss sich fallen lassen um die quirligen Tonfolgen und elektronischen Kaskaden in sich zusammenzufügen zu können. Diese Musik hat keine Schublade und ist zeitlos und das ist gut so. Auf alle Fälle begeisterte sie das Publikum.

Lakecia Benjamin and Soul Squad
„Miss 100 000 Volt“ kam sah und siegte. Ein Feuerwerk an Jazz-Funk prasselte auf uns nieder. Die Frau und ihre Mitspieler versuchten wirklich alles, um das Zelt zum Platzen zu bewegen. Sie feuerte ihre Musiker unentwegt an, um das letzte aus ihnen herauszuholen. Tolle Solos, heiße Rhythmen, überzeugende Kompositionen und gut aufgelegte Musiker hielten niemanden mehr auf den Stühlen. Jazz-Funk pur, ein großer Abschluss der Festspiele und ein glückliches Publikum gingen nach tosendem Applaus zufrieden nach Hause. Ein Jazzfest das in Deutschland seinesgleichen sucht. Danke schön an Moers, Rainer Michalke und seinen tollen Mitarbeitern.

Anmerkung:
Nach einem Bericht im Kulturteil der WAZ vom heutigen Tage, steht das Moers-Jazzfestival 2015 wieder zur Disposition. Der Stadtrat würde das wichtigste Jazzfestival in Deutschland und eines der wichtigsten in der Welt dem Spardiktat opfern. Was sagte Herr Nauman „Der Schaden, der durch solche Maßnahmen angerichtet wird, ist viel größer als das was man gewinnen will“ Ich hoffe das die Jazzfans dem Stadtrat keine Ruhe lassen und für den Erhalt des Jazzfestivals kämpfen.