Prächtige Mischung |

ProJazz Festival 2013

Text: Kurt Rade | Fotos: Kurt Rade, Claudia Böckelmann

Dortmund, 13.09.2013 | Es war einer der heißen Tage dieses Jahres und dann spielte noch jemand Fußball. Wie zu erwarteten war das zu viel für eine erfolgreiche Veranstaltung. Schade eigentlich, denn das Publikum erwartete eine prächtige Jazz-Mischung. Dabei gab es viel Neues zu entdecken.

Zu Beginn "Namárie". Eine junge Band die auf ihre einzigartige Weise den Modern Jazz leben. Die Komponisten der Stücke sind Marie Daniels und Sven Kirsten. Durch ausgefeilte Toneffekte erzeugen sie Klangwelten die den Zuhörer auf eine Traumreise mitnehmen. Marie Daniels warme Stimme mit einem breiten Spektrum und enormen Klangvolumen, improvisierte lyrisch und bewegend. Mit ihrer Art des Gesangs, prägt sie den Stil dieser Formation. Unterstützt durch den Posaunisten Adrian Prost, der eine besondere Farbe in die Musik bringt.

Danach “QUATTRO”, ein neues Projekt des Bassisten und Komponisten Paolo Dinuzzi. Die Musik ist dynamisch, voller Sehnsucht, groovig und eine originale Mischung aus der Musik des Nordens und des Südens. Dinuzzi und Hengst bildeten das treibendes Duo auf dessen Grooves Dimtrij Markitantov und Giuseppe Doronzo prächtige Soli legen konnten.

Das WAGNER-JAZZ-TRIO mit Wim Wollner (Sax), Hans Wanning (Piano) und Ingo Senst (Bass) wurde mit Spannung erwartet, denn es gibt genügend Versuche von Jazzern die optimale Thermik im zwischen Klassik und Jazz zu finden. Wie soll der Sinn der Komposition rübergebracht werden, die Schwermut, Dramatik, Spannung, Tiefe und Melodik? Das Trio schaffte es diesen Bogen zu schlagen. Wanning versetzt einen immer wieder ins Staunen. Seine Entwicklung ist atemberaubend und er ist auf dem Weg einer der bedeutendsten Pianisten des Jazz in Deutschland zu werden. Ingo Senst, setzt die notwendigen Akzente klar um, denn es ist bei dieser Musik nicht leicht den Rhythmus nicht zu vermasseln. Jazz und/oder Klassik? Ein mehr als gelungenes Projekt und ein Highlight des Abends.

POL , “Gelassen fließende Musik“. Das Quartett um die „Mit der Zeit“ spielende Rhythmusgruppe um Achim Tang (Bass) und Simon Camatta (drums), Thomas Gläßer (Piano) und der expressive Radek Stawarz (Violine) sucht während des Spiels intensiv immer den anderen Mitspieler und verknüpfen sich durch die von Tang vorgegebenen Formen und Rhythmen. Tonbilder entwickeln sich, die vor allem von Radek Stawarz mit Druck umsetzt werden. Wer zuhört und für den Zeit keine Rolle spielt, erlebt alle Nuancen der Musikkunst.

Seit 2011 gibt es diese Band "Andreas Schickentanz & Refugium". In diesem Jahr ist ihre erste CD erschienen. Die Kompositionen von Andres Schickentanz sind nach eigener Aussage den Mitmusikern auf den Leib geschrieben. Glänzender Harmonik, starke melodische Sequenzen und offene Strukturen bilden einen organischen Gruppensound, der durch Jens Düppe' treibend, kräftiges Schlagzeug besonders auffiel.

Tryol, Jazz oder Folklore oder Edno-Jazz? Auf jeden Fall eine unterhaltsame Musik der nicht anzusehen oder zu hören ist wie schwer es eigentlich ist hier eine Synthese zu finden. Eine bravouröse Leistung der Musiker. Sehr einfühlsam verstanden es alle Musiker türkische und anatolische Musik mit Jazz zu verflechten.

What A Waste Of Beauty. Das Quartett besteht in dieser Besetzung seit November 2012. Bei der Musik geht es wohl darum, welche Töne kann ich meinem Instrument entlocken. Für Julius Gabriel und Florian Walter war es wohl ein durchgehender Wettkampf. Mit einer unglaublichen Energie entrissen sie ihren Instrumenten Klänge und Töne die einem unter die Haut gingen. Serge Corteyn an der Gitarre und Fabian Jung am Schlagzeug bereicherten durch ihr Spiel dieses irrwitzige Tongebilde und brachten ihre Zuhörer arg ins schwitzten.

Den Abschluss bildete das Jan Bierther Quartett mit Jan Bierther (Gitarre), Marie Christine Schröck (Saxophon), Jörn Dodt (Bass) und Sebastian Bauer (Drums). Dieses Quartett um den Essener Gitarristen Jan Bierther spielte modernen und einfühlsamen Jazz. Mit großer Spielfreude und einer eigenständigen Handschrift weiß er sein Publikum zu unterhalten. Das Konzert bestand zum größten Teil aus Eigenkompositionen und da sein Quartett schon lange in dieser Besetzung spielt klingen die Stücke reif und tragend.

Gegen 01:00 Uhr war das Festival beendet und mit Jan Bierther fand es den treffenden Abschluss. Die Hitze und Fußball haben natürlich seinen Tribut gekostet, denn es kam weniger Publikum als erwartet. Vielleicht sollte man auch die Anzahl der Gruppen auf sechs beschränken, denn eine dauernde Wanderung der Zuhörer vom Saal in den Club und umgekehrt tut der Musik nicht gut. Ansonsten war es musikalisch ein Erfolg.