Festivals in NRW

Jazz unter der Sonne |

moers festival 2012

Text & Fotos: Kurt Rade

Moers, 06.06.2012 | Auch der zweite Tag des Jazz-Fest-Moers 2012 begann mit einem super Wetter und die Sonne übernahm einen Solopart den sich alle nur erhofft hatten. Im Veranstaltungszelt angekommen, hatten alle Anwesenden ob Musiker oder Presse wie Veranstalter gute Laune. Rings um das Festzelt labten sich die Besucher an internationaler Küche und reichlich Schnick Schnack aus allen Herren Ländern der Welt. Auch hier ist Moers international, denn so viele verschiedene Sprachen hört man sonst nur auf großen Flughäfen. Die Welt ist in Moers zu Gast.

Die Spiele werden fortgesetzt

Robert Landfermann (Bass) & Jonas Burgwinkel (Drums)
Beide Musiker öffneten dem Zuhörer ihre Jazzwelt. Ein Duo in dem beide den Rhythmus sowie den Solopart übernehmen ist nicht oft zu hören. Der Beginn des zweiten Tages war fulminant. Mit blindem Verständnis und traumhaft aufeinander eingespielt, verzauberten sie das Publikum. Moderne Melodien und Klangfarben mit wechselnder Rhythmik und immer wieder aufpeitschenden Soli. Kaum zu glauben dass es nur zwei Musiker waren.

Radiation 10
Wer kennt das nicht, eine CD liegt im Laufwerk und der Verstärker wird eingeschaltet. Eine Wand aus Tönen haut einen fast um. Die junge Pariser Musiker-Kollektiv spielte zum ersten mal im Ausland. Man hatte das Gefühl, eine Dampfwalze fährt durch das Zelt. Losgelöst von musikalischen Zwängen. Ein Mischung aus Rock, Jazz, Soul und Blues, frei und spontan improvisiert. Ihr Sound einmalig.

Ingrid Laubrock Anti-House
Ingrid Laubrock, eine Frau die in der Welt zu Hause ist und der das Saxophon in die Wiege gelegt wurde. Schöner satter Klang mit herrlichen Läufen. Eine Reise zwischen der alten und neuen Welt des Jazz. Für die Moderne steht vor allen Dingen die Gitarristin Mary Halvorson. Fast surreal ihre Gitarrenläufe und immer gezielt die Töne gesetzt um das Stück voranzutreiben. Eine eingespielte Truppe die zu begeistern wusste.

Jozef Dumoulin Trio
Der Zauberer auf den Keyboards, der mit seiner Band im Reich der Moderne seinen Platz hat. Noch nie habe ich einen Keyboarder gehört, der auf seinem Instrument wie ein Gitarrist spielt und auch so klingt. Sein Einfallsreichtum dem Keyboard Klänge zu entlocken und diese in seinen Stücken einzubinden ist hörenswert. Ein ungewöhnlicher Jazz, wobei der Komponist seinen ausdrucksstarken Stil gefunden hat und auch hier das Publikum begeisterte.

Andrew N D´Angelo DANN-Big-Band
Wer hat schon mal in einem Zug gesessen der mit 300 Km/h auf den Schienen daher raste und einem Zugführer der außer Rand und Band ist. Andrew N D´Angelo spielte um sein Leben und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nach schwerer Krebskrankheit, die er überstand, gibt es nur eine Devise für ihn, „Lebe jeden Moment deines Lebens“. Seine Band, besetzt mit hochkarätigen Musikern, ließ keinen Zuhörer mehr auf den Stühlen sitzen. Ein Wahnsinn an Energie und Kraft. Der Bassist Trevor Dunn und der Schlagzeuger erinnerten mich mit ihrem unerbittlichen Antreiben an Charles Mingus und Danny Richmond. Whow war das gut, zurück blieb ein tosender Saal, mit Sicherheit einer der Höhepunkte des Festivals.

I Don`t Hear Nothin`But The Blues
Nach der vorherigen Band, dachte man dass es mit dem Blues ein wenig ruhiger abgeht. Denkste, Jon Irabagon fuhr mit dem Zug weiter, nur der Zugführer wechselte. Modern Jazz im Stile von Wayne Shorter und Miles Davis schoss durch das Zelt. Aberwitzige Saxophonsolos setzten sich aufeinander auf und man dachte, weiter geht es doch nicht mehr, aber es ging. Völlig aufgewühlt mit einem mitreißenden Publikum verließ ich das Zelt und brauchte erst mal eine Pause um mich sammeln zu können.

James „Blood“ Ulmer with Joe Bowie`s Defunkt n´EU Soul
Was soll man hier noch groß sagen. Zwei Männer mit Charisma betraten die Bühne, tosender Beifall als Begrüßung und ein dicht drängendes Publikum an den Banden. Das Zelt und die Zuschauer waren von den vorherigen Bands und der Sonne heiß gelaufen. Hier kam nun eine ganz andere Musik in der Tradition des Moers-Festivals zum Schluss jeden Konzertabends. Blues, Soul, Jazzrock und Tanz war angesagt. Die Meister legten los und die Dämme brachen. Ein Gewitter an Rhythmik, Melodien, irren Solos glänzend aufgelegten Musikern legte los. Josef Bowie schien seine Posaune zerschmelzen zu wollen und jeder gab alles. James „Blood“ Ulmer, der sich in seinem Alter kaum ruhig auf dem Stuhl halten konnte mischte voll mit und man dachte, die haben doch schon immer so zusammengespielt. Eine erfrischende und mitreißende Musik zum Tagesabschluss. Moers wie es Jazzt und Tanzt.

Müde aber glücklich und vollgepackt mit toller Musik ging es heimwärts um sich für den nächsten Tag fit zu schlafen.