Hart und ruppig |

Living Colour live in der Zeche Carl

Text & Fotos: Bernd Zimmermann

Essen, 11.08.2012 | Mit Living Colour kam nach sechsjähriger Pause wohl eine der legendärsten Bands auf die traditionsreiche Bühne der Zeche Carl. Hart, ruppig, extrem lebendig und spielfreudig rockten die vier über zwei Stunden ohne Pause.

Corey Glover (Gesang); Vernon Reid (Gitarre); Doug Wimbish (Bass); Will Calhoun (Schlagzeug) zeigten dabei eindrucksvoll was nach wie vor in ihnen steckt. Mit der neuen CD "The Chair In The Doorway" knüpfen sie nahtlos an ihre alten Werke an. Jeder der vier Musiker ist schon für sich eine stilprägende Legende: so der vielseitige wie versierte Gitarrist Vernon Reid, der sich noch nie um Schubladen gekümmert hat. Mit Living Colour verbindet er schwarze Rocktradition und "weißen" Hardrock mit dem Funk-, Blues- und Jazzkosmos zwischen Funkadelic und den Chambers Brothers. Sänger Corey Glover, Drummer Will Calhoun und Bassist Doug Wimbish sind genau wie Reid in vielen Stilen zuhause - arbeiten mit den Rolling Stones wie mit Tackhead oder Public Enemy.

An diesem Abend war es die Rhythmusgruppe, die die Akzente setze. Doug Wimbish, zwischenzeitlich mit einem eigenen Projekt aktiv, brillierte mit einem Bass-Solo der Extraklasse. Dabei verließ er die Bühne und spielte mitten im Publikum weiter. Leider steckten eine Handvoll Leute dabei ihre Nasen so weit in den Bass von Wimdish, dass die meisten Zuschauer wenig von der Performance mitbekamen.

Besonders beeindruckend - Will Calhoun, der ebenfalls in der Zwischenzeit mit seinem Album "Native Land" ein aussergewöhnliches Jazzprojekt realisierte, bei dem er mit Jazzgrößen wie Pharoah Sanders, Wallace Roney oder Marcus Miller zusammenarbeitete. Sein fast 15 minütiges Schlagzeugsolo war der Höhepunkt des Konzerts. Mit Loops unterlegt schoss er im wahrsten Sinne des Wortes ein Feuerwerk ab, indem er speziell präparierte Drumsticks mit eingebauten Leuchtdioden benutzte und so seine exzellente Technik visuell unterlegte.

Auch Corey Glover hat in den letzten Jahren nichts von seiner stimmlichen Kraft eingebüßt. Vielmehr hatte man den Eindruck, dass seine Stimme noch reifer geworden ist und die Varianz seines Gesangs zugenommen hat.

Das Publikum war von dem Konzert sichtlich begeistert und die Zeche Carl hat zum wiederholten Male einen Top-Act in Club-Atmosphäre auf die Bühne geholt. Und auch die Vier hatten sichtlich ihren Spaß. So lobte Corey Glover zum Schluß auch Publikum und Veranstaltungsort: "Wir waren noch nie hier, aber wir würden gerne wiederkommen." Sicherlich kein Spruch von abgehalfterten Rockern, die händeringend nach Auftrittsmöglichkeiten suchen. Das haben die Living Colours beileibe nicht nötig.