Festivals in NRW

Frisch, groovig und abwechslungsreich |

Jazzfest Bonn

Text & Fotos: Bernd Zimmermann

Bonn, 21.05.2012 | Welch ein Abend, was für ein Konzert, welch ein Jazzfest in Bonn. Zum Abschluss spielte die Jazz Big Band Graz (JBBG) in der Bundeskunsthalle und brachte sie zum Kochen.

Zu Beginn des letzten Konzertabends hob der Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch noch einmal die Bedeutung des Jazz und die des Jazzfestes hervor. Er betonte in seiner kurzen Ansprache, dass für ihn der Jazz den Zeitgeist spiegelt und das Jazzfest eine Brücke zum modernen und internationalen Bonn schlägt. Für ihn leistet dieses Fest so einen erheblichen Beitrag zur Attraktivitätssteigerung der Stadt Bonn.

Wie wahr, denn auch im dritten Jahr ist das Jazzfest unter der Leitung von Peter Materna gewachsen. Ein attraktives Angebot sorgte dafür, dass so gut wie alle Konzerte ausverkauft waren. Die Menschen lechzen scheinbar nach kreativer Musik und neuen Impressionen. Immer mehr sind den medialen und musikalischen Einheitsbreis leid. Eine Chance für den Jazz?

Genau in diesen Kontext passt die Jazz Big Band Graz wie kaum eine andere Formation. So sollte eine Big Band heute klingen. Frisch, groovig und abwechslungsreich. An- und aufregend die Kompositionen und Arrangements. Quartett, Quintett, Septett included. Feinste Soli für Trompete, groovig das Schlagzeug, Tiefenwirkung der Keyboards, phänomenal das Saxophonsolo des frisch gekürten Jazz Echo-Preisträgers Johannes Enders. Gänsehaut. So hat der Jazz eine Chance wieder Kontakt zum jüngeren Publikum zu bekommen.

Was die beiden Leiter, Heinrich von Kalnein(Saxophon/Querflöte und übrigens:gebürtigerNeusser)undHorstMichael Schaffer (Gesang/Trompete) da auf die Bühne bringen ist schlicht und ergreifend und ohne zu übertreiben sensationell. Sechszehn erstklassige Musiker überfluten mit den Kompositionen der beiden den Saal. Das Publikum, hingerissen und erstaunt. Begeisterte Kommentare nach den Stücken unüberhörbar. Der Sound der Big Band ist einfach fulminant, schlägt eine Brücke zwischen dem traditionellen Big Band Sound und dem modernen groovigen Jazz.

Nicht ganz so glücklich war die Wahl der Reihenfolge der beiden Konzerte an diesem Abend. Nach der wunderbar lebendigen Musik der Big Band folgte gleich im Anschluss die etwas sperrige und minimalistische Musik der Norma Winstone. Sich auf diese Musik einzulassen war da nicht mehr so leicht. Etwas erleichtert wurde der zu überwindende Kontrast durch das phantastische Klarinettenspiel von Klaus Gesing (übrigens: gebürtiger Düsseldorfer), der auch bereits mit der Jazz Big Band Graz spielte.

Insgesamt ist festzustellen, dass das noch verhältnismäßig junge Jazzfest Bonn ein beeindruckendes Beispiel dafür ist, dass der Jazz keineswegs tot ist, sondern im Gegenteil dabei ist, eine Renaissance zu erleben. Freiheitsliebend mit hoher Individualität in der musikalischen Darbietung, berührend aber vor allem sehr sehr vielfältig.