„Die Wahrlich Frohe Botschaft“ |

Ein Krippenspiel der besonderen Art

Text & Fotos: Vera Marzinski

Köln, 24.12.2014 | Maria mit Bart und grüner Schürze, der Heilige Geist im Leoparden-Bademantel und Josef mit pinkfarbener Federboa – schon optisch gestaltete sich das „Moving Krippenspiel“ sehr schräg. Das passt zu Matthias Schriefl, der das Musikspiel schon seit einigen Jahren in Köln inszeniert. Und es entwickelt sich immer weiter – neue alte Lieder im speziellen Gewand kommen dazu oder weitere Musiker, wie diesmal Johannes Bär aus dem Bregenzer Land/Österreich. Gleich mehrfach führen sie es auf – am Mittwoch vor dem vierten Advent erfreuten sie im „artheater“ in Köln das Publikum damit.

Matthias Schriefl, Trompeter und Multiinstrumentalist aus dem Allgäu, bringt gerne traditionelles Musikgut mit zeitgenössischem Jazz auf ungewöhnliche Weise zusammen. So passt dann auch, dass das „Es wird scho glei dumpa“ – ein österreichisches Weihnachtslied – mit drei Alphörnern gespielt wird. Grandios Schriefl und Bär mit ihrem Trompeten-Part bei „Kommet ihr Hirten“. Mehr Comedy als Jazz ist die ganze Inszenierung fast, die mit einem „Lasst uns froh und munter sein“ beginnt und mit Schriefls Wunsch fürs Neue Jahr – „Runterkommen ist die Devise für 2015“ – endet.

Das Krippenspiel ist eine Abwandlung der ursprünglich in Nazareth stattgefundenen Geschichte. Nicht nur die ist speziell – auch die Rollenverteilung. Alex Morsey (Bass und Tuba) als Maria, Percussionist Bodek Janke stellt den Herodes in Goebbels-Manier dar, ebenfalls sehr schräg Simon Rummel als Heiliger Geist an Bratsche, Klavier und in tanzender Weise. Einen sehr tuntigen Josef, der gar nicht weiß, wie das mit Marias Schwangerschaft passieren konnte, gibt Marcel Kolvenbach. Da kommt dann die Frage auf: War es der Elch? Den (am Bühnenrand hockt ein Stofftier-Elch) bewegt Manfred Rücker, der zudem für die elektronischen Elemente zuständig ist. Selbst einen Stern – nicht „der deinen Namen trägt“, obwohl dies kurz angespielt wird – gibt es in diesem speziellen Krippenspiel. Diesen Part hat Johannes Bär übernommen. In buntem Gewand mit schwarzen, langen und zerzausten Locken steht Matthias Schriefl als Motor des Ganzen und als Jesuskind auf der Bühne. Und der Erzengel? Den stellt – wie könnte es passender sein – Michl Engl dar.

Teilweise provokante Darbietungen, verzerrte traditionelle Weihnachtslieder, aber immer mit viel Spaß – das ist das „Moving Krippenspiel“. Es wurden ausschließlich Weihnachtslieder gespielt. Von „Macht hoch die Tür“ über „Es ist ein Ros entsprungen“ und „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ bis zu „Maria durch ein Dornwald ging“. Acht Musiker mit etwa zwanzig Instrumenten, dazu lustige mehr-oder-weniger-Weihnachtskostüme, ein paar Weihnachtslieder und eine Geschichte, die viel Platz für spontanen Blödsinn zuließ. Zudem noch Gesang und ein paar absurde Tänze. Das sind die Zutaten für dieses "zeitlose" Krippenspiel. Und zum Schluss heißt es; Alle Jahre die komme ich um alle Jahre „Alle Jahre wieder“ zu spielen. Es ist wohl davon auszugehen, dass es auch im nächsten Jahr wieder ein Krippenspiel dieser speziellen Art geben wird.