Rhythmische Perfektion |

Craig Taborn im Stadtgarten Köln

Text: Stefan Zimmer

Köln, 11.04.2013 | Der aus Detroit stammende Pianist Craig Taborn darf mittlerweile zu den Stars der Internationalen Jazzszene gezählt werden. Er arbeitete bereits mit Künstlern wie Dave Douglas, Chris Potter, Adam Rogers oder Wayne Krantz zusammen und zeigte auch im kölner Stadtgarten seine Klasse.

Mit seinen Mitstreitern Thomas Morgan am Kontrabass und Gerald Cleaver am Schlagzeug , präsentierte Craig Taborn sehr komplexe und ausgesprochen rhythmuslastige Musik, die er in langen Spannungsbögen in die Hirne der Zuhörer progammierte.

Und so wundert es nicht, dass Craig Taborn in der Detroiter Techno und Dark-Ambient Szene kein unbekannter ist. Teilweise klang es, als ob sich ein Hochleistungsrechner aufgehängt hätte, so monoton schienen Phasen des Konzerts und erinnerten tatsächlich an dunkel gefärbte, elektronische Musik.

Bei genauerem hinhören offenbarte sich allerdings die Brillianz und rhythmische Perfektion dieses Trios. Morgan und Cleaver schritten durch ständige Rhythmuswechsel, während Taborn unabhängige Figuren kreierte und über die seiner Rhythmusgruppe legte. Allerdings war es teilweise auch für das geübte Ohr schwer, dieses komplexe Klangebilde zu duchdringen und alle Strukturen und Feinheiten offenzulegen. Wer nicht am Ball blieb und konzentriert zuhörte, konnte teilweise den Eindruck gewinnen, dass hier drei Musiker ihre Fähigkeiten unabhängig von einander zur Schau stellen. Mitunter widmete sich Taborn einer einzigen Figur und wiederholte diese minutenlang, während Bass und Schlagzeug sich gegenrhythmisch an dieser abarbeiteten. Verschiedene Ostinatos dieser Art nötigten den Zuhörern ein gehöriges Maß an Konzentrationsfähigkeit ab. Einzelne Ruhepole die aus flächigen, hymnischen Akkorden und unaufgeregtem Zusammenspiel entstanden, waren durchaus willkommen.

Die eigene Klangsprache dieses Trios ist deutlich von der elektronischen Musik geprägt und leistet mit ihrer Eigenständigkeit einen wichtigen Beitrag zur Vielseitigkeit der improvisierten Musik. Das Publikum im Stadtgarten zeigte sich begeistert.