Das Zelebrieren der Langsamkeit |

Arve Henriksen

Text & Fotos: Christoph Giese

Essen, 24.11.2011 | Dieser Mann überrascht immer wieder. Weil er so vielseitig ist, auch wenn sein Trompetenspiel unverkennbar bleibt. Arve Henriksen ist seit einiger Zeit schon ein ziemlich angesagter Trompeter. Ein Mann, der sein Instrument immer leicht gepresst und verschleiert und selten richtig klar erklingen lässt. Der Norweger zelebriert beim Spielen zudem die Langsamkeit. Klangbilder können sich langsam entwickeln, werden dezent durch Elektronik verfeinert und mit gesampelten Klängen ergänzt.

In die Zeche Carl brachte dieser Arve Henriksen sein neues Trio mit, das im Frühjahr sein Premierenkonzert im norwegischen Bergen spielte und in Essen nun den erst zweiten Auftritt hatte. Und dennoch hat sich bei dem kongenialen Dreier was getan in den Monaten.

Henriksen und die beiden Schlagwerker Audun Kleive und Helge Norbakken sind weiter zusammengewachsen. Auch wenn alle drei Norweger ihre Individualität ausleben dürfen in diesem Trio. Kleive als leicht elektronkverliebter Drummer und Norbakken als so zurückhaltend pulsierender Mann mit dem Hang für ein außergewöhnliches Drumset. Autostahlreifen dienen da als Becken und afrikanische Trommeln werden mit der Hand oder auch mal mit Reisigbündeln angeschlagen.

Die Musik des Trios basiert auf kollektiven Improvisationen. Ziemlich sperrig poltern da mitunter die Rhythmen der beiden Drummer durcheinander, die Henriksen dann auch mal ganz spontan mit dröhnenden Computersounds kommentiert. Dann erklingen wieder seine traumverhangenen Trompetenlinien, zu denen sich die Kollegen rhythmisch was einfallen lassen.

In langen Bögen kreieren die Norweger faszinierende Klanglandschaften, in denen Arve Henriksen am Schluss sogar ein wenig Stimmengebrabbel seiner Zwillings-Babys vom Band wie selbstverständlich einbaut.