"Die Verwandlung" im Alten Pfandhaus |

Frederik Köster

Text: Heinrich Fries | Fotos: Melec Geçer

Köln, 19.04.2013 | Wenn an diesem lauen Frühlingsabend plötzlich zwei Monde über der Kölner Südstadt aufgegangen wären und statt einigen Frederik Köster-Jüngern „Tengo“ und „Aomame“ in den Abendhimmel geblickt hätten - man hätte sich in die verstörende Welt „1Q84“ versetzt gefühlt, die der japanische Bestseller-Autor und Beinahe-Literaturnobelpreisträger Haruki Murakami in seinem gleichnamigen Buch beschreibt. Murakami-Fan Köster präsentierte nun seine neue Jazz-CD „Die Verwandlung“ im Alten Pfandhaus.

Um Sebastian Sternal (Klavier), Robert Landfermann (Kontrabass), Jonas Burgwinkel (Schlagzeug) und Trompeter Frederik Köster, allesamt Gewinner des Echo-Jazzpreises, hatte sich die halbe „A-Nationalmannschaft“ der deutschen Jazzszene versammelt.

Das Konzert begann mit viel Raum, die Stücke „Yardsale“ und „Highway man“ atmeten tief; einzelne, langgezogene Trompetentöne verflocht Köster mit Hilfe einer Loopstation zu strahlenden, atmosphärisch wirkenden Clustern, stimmungsvoll unterstützt durch die einfühlsam assistierende Band. Doch der Titel „Die Verwandlung“ ist Programm, und die Atmosphäre verändert sich. Düsterer und schwerer wird die Musik, „Tief in den Wäldern ihres Herzens“ und „Tengo“ lassen einen Teil der Bedrohung erahnen, die Haruki Murakami mit „1Q84“ heraufbeschworen hat.

Wenn Sebastian Sternals spitze Finger über die Tasten irrlichtern und mit diabolischer Penetranz eine eigene rhythmische Ebene schaffen, Köster seine Hardboplines in die Luft brennt und Burgwinkel laut aufschreiend seine Trommeln dem Trompetensolo auf den Leib schneidert, ereignet sich Kommunikation auf einer Meta-Ebene, und die „Verwandlung“ tritt ein. Instrumentalisten werden zu Erzählern und Hörer zu Abenteurern, zu mit geschlossenen Augen still da sitzenden Zeitreisenden.

Frederik Köster ist im alten Pfandhaus ein wunderbares Konzert gelungen, und die Jazz-Welt ist um eine inspirierende CD reicher.