Festivals in NRW

Teils schräg-humorige Improvisationsmusik|

ProJazz Festival 2011

Text & Fotos: Christoph Giese

Dortmund, 12.03.2011 | So eigenwillig das Outfit, so eigenwillig die Musik. Das „Presetrio“, gehüllt in weißen, leicht transparenten Ganzkörper-Arbeitsanzügen, entführte gegen Mitternacht auf der großen Bühne im Dortmunder Jazzclub „domicil“ in die Welt der elektronisch dominierten, teils schräghumorigen Improvisationsmusik.

Gitarrist Serge Corteyn, Schlagwerker Achim Kämper und Saxofonist Jan Klare als „Presetrio“ waren aber nur eine Facette von vielen beim stilistisch kunterbunten, vierten „ProJazz“-Festival.

„ProJazz“, die in diesem Monat vor genau 20 Jahren von Musikern für Musiker in Dortmund gegründete Initiative, die der heimischen Jazzmusik mit Workshops, Schulprojekten und Radioeinsätzen ein größeres Podium schaffen will, und die, wie Gründungsmitglied Günter Maiß vor ein paar Jahren mal betonte, ein „Wir-Gefühl“ unter den Musikern herstellen wollte, zeigte die ganze Vielfalt der regionalen Szene in der langen Freitagnacht im „domicil“.

Vom „Transorient Orchestra“, in dem so charismatische Musiker wie die persische Saxofonistin Gilda Razani oder der tunesische Oudspieler und Sänger Sahbi Amara mitwirken, und das einen bunten Querschnitt durchs jahrelang erarbeitete Repertoire bot und dabei zeigte, wie sich Jazz, Improvisationen und folkloristische Musik aus aller Welt schlüssig miteinander verknüpfen lassen, bis hin zum groovenden, von der Hammondorgel dominierten, swingenden Jazz des Trios Martin Scholz, Christian Hammer und Wolfgang Eckholt reichte die Palette.

Wunderbar das innige Duo von Pianist Oliver Maas und Saxofonist Michel Janssen. Zwei Stimmen, die aufeinander eingingen, expressive wie aber auch zarte Dialoge führten. Auch die Gespräche von Saxofonist Jan Klare, Oudspieler Ahmet Bektas und Perkussionist Fethi Ak, die den Improvisationsgeist des Jazz geschickt mit türkischer Folklore verbanden, zählte zu den hörenswerten Momenten des Abends.
Jede der zehn Bands, die sich zeitlich leicht überschneidend auf jeweils einer Bühne im Saal und im Club des „domicil“ in 45-minütigen Auftritten vorstellte, besaß eine ganz eigene Charakteristik. Und bot offenen Ohren mit herrlich eigenwilligen Interpretationen von Sun Ra-Titeln („Lorque du Weltall“) oder Stevie Wonder-Kompositionen im Jazzgewand („DoTown Wonder Bros.“) viel Hörspaß.