Festivals in NRW

Kontrastreich und spannend |

17. JOE Festival Essen 2013

Text & Fotos: Christoph Giese

Essen, 21.01.2013 | Ein Irrwisch ist dieser Jim Black. Und genau der richtige Antreiber für das formidable Trio „Azul“ des portugiesischen Bassisten Carlos Bica. Das existiert schon seit gut anderthalb Jahrzehnten, klingt aber noch immer verdammt frisch und rockig wie nie.

Auch ein Verdienst von Jim Black. Der Amerikaner ist ein äußerst quirliger Schlagwerker, der mit verrückten Rhythmusfolgen und knackigen Beats die Musik des Trios konstant nach vorne pusht. Aus folkloristischen und poppigen Melodien speisen sich die Stücke von „Azul“, vermischen sich mit jazzigen, auch improvisierten Linien zu einer jederzeit betörenden und jetzt in Essen meist kraftvollen Mischung.

Ein weiterer Schlagzeuger hinterließ beim „17. JOE Festival“ großen Eindruck. Das neue Projekt des Berliner Trommlers Eric Schaefer feierte im Katakomben-Theater seine Bühnenpremiere. „Who is afraid of Richard W.?“ heißen Projekt wie auch die in diesen Tagen beim ACT-Label dazu erscheinende CD und bieten im Wagnerjahr 2013 einen ungewöhnlichen Blick auf die Musik des großen deutschen Komponisten.

Mit psychedelischen Seventies-Orgelsounds, Dub oder Progrock und jeder Menge Groove führen Eric Schaefer und Band Richard Wagner vom Bayreuther Hügel hinab in einen coolen Club. Ein humorvoller und dabei immer sehr intelligenter Musikspaß – so hat man die „Walküre“ oder den „Tannhäuser“ noch nie gehört!

Das „JOE Festival“ überzeugte auch in diesem Jahr wieder mit einem kontrastreichen und spannenden Programm an allen drei Festivalabenden im gut besuchten Katakomben-Theater in Rüttenscheid. Dass dabei der Fokus einmal mehr auf Deutschland und Europa lag – eine kluge Entscheidung, kann der alte Kontinent dem Jazz-Mutterland USA längst die Stirn bieten, vor allem durch seine Individualität.

Ein weiteres gutes Beispiel dafür ist das Quartett des Saxofonisten Emile Parisien. Wie der kleine Franzose mit seinen drei Kollegen ganz groß aufspielte zwischen frickeligen, freien Passagen, wilden Eruptionen und wahnsinnig abgehenden, hochenergetischen Momenten, das war ein stets wechselndes, höchst intensives Gefühlskarussell voller Spielwitz und Klasse.

Aber diese Musik war auch fordernd. Wie schön, dass die Programmmacher von JOE, der Jazz Offensive Essen, im Anschluss an die aufgeladenen Franzosen das Trio von Folkwang-Professor Uli Beckerhoff (Trompete), Michael Berger (Keyboards) und Stefan Ulrich (Schlagzeug) mit seinen feinen cineastischen Klängen fürs imaginäre Jazzkopfkino auf die Bühne stellten.