Kirche verkehrt |

enders dome feat. Nils Petter Molvaer

Text: Sven Breidenbach | Fotos: Heinrich Brinkmöller-Becker

Bochum, 18.11.2013 | Mit enders dome feat. Nils Petter Molvaer hat die Christuskirche Bochum gemeinsam mit nrwjazz.net eines der wohl außergewöhnlichsten Konzertereignisse dieses Jazzherbstes in Nordrhein-Westfalen präsentiert.

Dabei haben Johannes Enders (sax), Gregor Hilbe (drums, percussion), Andy Lutter (churchorgan) und Nils Petter Molvaer (tr) die Christuskirche im mehrfachen Sinne auf den Kopf gestellt. Gespielt wurde auf der Empore, direkt neben der Kirchenorgel. Das Publikum saß am Altar und in den Kirchenbänken, falsch herum. Schon vor dem Konzert stimmte die außergewöhnliche Beleuchtung erwartungsfroh. Die Orgel war in blaues und rotes Licht getaucht. Der Altarbereich, sonst das Zentrum der kirchlichen Geschehnisse in groovig-grünes Licht. Ein Gesamtkunstwerk was dem Publikum da präsentiert wurde, ohne das ein Ton zu hören war. Dementsprechend auch vor dem Konzert bereits ungewöhnlich andächtige Stille.

Das Projekt, speziell für Kirche konzipiert ist für die Musiker alles andere als Routine. Während der Proben forscht Lutter auf der Orgel nach Klängen, zieht Register und probiert Manuale. Enders und Molvaer loten den Raum aus, spielen mit Instrumenten in alle Richtungen des Raums. Hilbe bastelt am Drumsound.

Mit dem ersten Stück "Organ Train" fühlen die sehr aufmerksamen Zuhörer einen Zug anrollen. Hilbe und Lutter arbeiten mit Percussion und Orgel am Antrieb und Schwung. Dann Enders und Molvaer mit zarter Unterstützung. Der Zug kommt in Fahrt. Gleichmässiges Rattern ist vernehmbar. Dann scheint der Zug abzuheben und durch den Raum zu schweben. Dann kommt wieder Ruhe in den sakralen Raum. Nun bewegt sich Enders Dome ins meditativ-chillig-funkige Genre. Molvaer mit spitzen Tönen, beinahe mit der Trompete das Mikrophon verschluckend. Nein, es ist nicht die Electronic mit der Molvaer da spielt. Alles ist analog, alles echt, voller Experimentierfreude.

Nach beinahe zwei Stunden ist das Konzert zu Ende, aber das Publikum hat noch lange nicht genug, nötigt die Musiker zu einer Zugabe die es in sich hat. Groove vom Feinsten, tanzbarer Modernjazz zum Abschluss eines formvollendeten Jazzevents der Extraklasse.