Alte Bekannte und neue Klänge |

Dortmunder Weihnachtsmatinee 2014

Text & Fotos: Stefan Pieper

Dortmund, 29.12.2014 | Viel erlebte, wer sich am zweiten Weihnachtsfeiertag ins Menschengetümmel der Jazzmatinee im Dortmunder Opernhaus stürzte. Wie immer war die Veranstaltung ausverkauft - und es liefen einem alte Bekannte über den Weg! „Ich traf hier einen ehemaligen Mitbewohner aus meiner WG von damals“, freute sich Udo Wagner, Vorsitzender des domicil-Vereins, der alljährlich zusammen mit Horst Ziemann und Uwe Plath von der Glen Buschmann-Jazzakademie die Großveranstaltung im Opernhaus auf die Beine stellt.

Im Dortmunder Opernhaus kommt alljährlich zusammen, was sich in den regionalen Jazzszenen entwickelt und übers Jahr im domicil zuhause fühlt - etwa bei den allwöchentlichen Jazzsessions. Dazu heizten am zweiten Feiertag zwei gestandene Ruhrgebiets-Bigbands ein und auch vor der Weltmusikbühne war kaum noch ein Durchkommen. Vor allem das Transorient Orchestra verkörperte hier das ideale Miteinander der Kulturen in unserer Region.

Es überzeugte auch das „Paul Bartoszek Quartett“ mit seinem aufgeweckten straight ahead-Spiel. Zwar möchte man den jungen Musikern noch mehr Wagemut wünschen, um sich richtig freizuspielen, aber die Stilsicherheit mit der sie Standards und Eigenkompositionen zu einer gereiften Modern-Jazz-Stilistik verbinden, lässt noch viel hoffen. Wie sowas geht, machten echte „alte Hasen“ vor, nämlich die Band des Gitarristen Ingo Marmulla. Ganz groß vor allem die Zugabe ihres Konzertes – eine trickreiche Bebop-Paraphrase frei nach Dizzy Gillespie's „A Night in Tunesia“!

Als wären es unsichtbare Saiten, so bringen die Hände von Gilda Rasani Klänge in Schwingungen, mit Glissandi und Vibrato. Die Dortmunderin spielt das Theremin, jenes älteste elektronische Instrument, welches den Ton durch unsichtbare Magnetfelder generiert - einfach ausgedrückt. Rasani gehört zur Band „about aphrodite“ - zusammen mit dem Keyboarder Hans Wanning und dem Perkussionisten Fetih Ak. Wer sich in die hypnotische Mischung aus Trance-Beats und atmosphärisch dichten elektronischen Klangflächen fallen ließ, konnte auf Anhieb den ganzen Trubel ausblenden. Die drei Musiker haben sich erst in diesem Jahr auf solche Pfade begeben – ihre ersten Auftritte hatten noch einen durchaus unfertigen Charakter, aber dieses Konzert auf der Weihnachtsmatinee markiert einen neuen Entwicklungsstand!

Hans Wanning steuert in spontaner Improvisation den Mix aus Technobeats, Subbässen, Samples und Klangflächen. Fethi Ak synchronisiert seine Perkussions mit den programmierten Rhythmen. Und Gilda Razani bringt durch ihre sphärisch singenden Soloparts auf Theremin und Saxofon auf denkbar unkonventionelle Weise den Jazz in diese Mischung hinein. Das ganze kommt auf den Punkt, so dass es in diese Klangwelt hineinzieht, dass man den Trubel, der hier überall sonst herrscht, bestens meditativ ausblenden kann. So soll es sein, wie Musik funktioniert! About aphrodite ist auf jeden Fall ein „work in progress“ und das bestätigt Gilda Razani hinterher im Gespräch: Wir spielen einmal in der Woche eine ausgedehnte Nachtsession im domicil, wo wir stundenlang ausprobieren können, wie diese Musik auf dem Dancefloor funktioniert.“ Sowas zählt.