Festivals in NRW

Der Hund heißt Theo |

Die Wasserfuhr-Brüder im Posttower

Text & Fotos: Sven Breidenbach

Bonn, 10.09.2010 | Publikumstraube vor dem Eingang. Dank DHL gibt es im Rahmen des Beethovenfestes traditionell freien Eintritt. Kultur für alle. Die begeisterten Fans stehen zahlreich vor der Tür. Selbst als das Konzert beginnt, hoffen sie noch auf gnädigen Einlass. Bis zur ersten Pause harren sogar einige aus - mit Erfolg.

Nach kurzer Einführung durch die DHL und einer Mitarbeiterin des Beethovenfestivals geht es los. In gemütlicher - und zugleich erwartungsvoll-gespannter Atmosphäre - startet das Konzert. "Love" heißt das erste Stück. Zum überwiegenden Teil spielt das Quartett Stücke aus dem letzten Album "Upgraded in Gothenburg". Feinster deutscher junger Jazz. Nach der Verteidigung des Reisenden "Travellers Defense" und dem Stück "Dušan" gibt es einen großartigen Höhepunkt. In "Song for E." widmen die Brüder mit großer Leidenschaft ihr ganzes Können dem verstorbenen Esbjörn Svenson, der auf tragische Weise im vergangenen Jahr in den Jazzhimmel eintauchte. Szenen des Films "The Big Blue" kommen dem Zuhörer in Erinnerung. Einzig eine Murmel im Klavier kann diese Inbrunst noch steigern. Das Publikum lauscht gleichsam andächtig. Diese Performance ist mehr als eine ehrliche Widmung.

Nach der Pause trumpfen Roman Wasserfuhr am Klavier, sein Bruder Julian an der Trompete, der Kontrabassist Benjamin Garcia und der Schlagzeuger Oliver Rehmann mit der Eigenkomposition "Blue Desert" auf. Selbst Beethoven scheint mitzugrooven, schaut er doch in vielen Konterfeis von den Wänden der Posttowerlounge diesen vier jungen und voller Freude spielenden Künstlern zu. Nun ein Titel, der noch keinen Namen trägt. Melodisch kreisende Murmeln, Kinderzimmergetümmel. Es folgt eine weitere namenlose Komposition. Das Publikum wird aufgerufen zu beiden Stücken Vorschläge an den Schlagzeuger zu geben. Nach dem Konzert hat er viele Vorschläge zu notieren. Bemerkenswert ein Vorschlag "Fabricity". Man kann gespannt sein, ob und welcher das Rennen machen wird.

Das inspirierte und noch hungrige Publikum fordert die Mannen zu einer Zugabe. Zuerst kommen alle 4 zurück auf die kleine Bühne und spielen "Toccata". Temporeich, mit Elan und enormer Vielfalt jazzt sich das Quartett in den Bachschen Orbit. Und wieder wollen die Zuhörer mehr. Und sie bekommen mehr. Roman "Ernst" und Julian "Glen-Martin" Wasserfuhr brillieren mit einem Stück – gewidmet Ihrem Hund Theo. So heißt er also. Jetzt ist es raus.