Musik als Denksportaufgabe |

DRA in Castrop-Rauxel

Text & Fotos: Bernd Zimmermann

Castrop Rauxel, 09.12.2010 | Manchmal ist es kaum zu glauben wo es die Redakteure von ruhrjazz.net hin verschlägt. Aber wenn Christopher Dell, der derzeit wohl wichtigste europäische Vibraphonist, in Castrop-Rauxel spielt, dann muss es halt mal Castrop-Rauxel sein.

Der Raum, ein Seminarraum, war in warmes Neonlicht getaucht, das Publikum sehr überschaubar. Aber gerade das machte den Abend zu einem sehr ungewöhnlichen Erlebnis, denn das Konzert mutierte zwischenzeitlich zu einem höchst interessanten Jazzseminar.

So erfahren die Zuhörer von mathematischen Formeln als Matrix der Musik von DRA, von leeren Räumen, die durch die jeweiligen Instrumente gefüllt werden können- oder auch nicht; von Pattern im Jazz und etwas über den Genuß des Komplexen.

Seit 1998 gibt es die Formation, die sich laut Christopher Dell eher als Forschungsorchester versteht. Mit DRA haben sich die langjährigen musikalischen Weggefährten Christopher Dell (Vibraphon), Christian Ramond (Bass) und Felix Astor (Schlagzeug) den Wunsch erfüllt, ein Trio im streng akustischem Klang zu etablieren. Für die Entwicklung eines Programms benötigen sie 5-6 Jahre und halten sich dabei nicht lange mit der Suche nach Titeln auf. So heißen ihre Stücke lediglich #77, #85/86 oder #153 und dass da #51 und #55 drin ist.

Der Name DRA steht aber auch für die Begriffe dynamic-related-action, für die Energie der innovativ-vitalen Fluidität innerhalb der Gruppe und beschreibt damit den Umgang mit der moment-spezifischen Musik. Auf das erste Hören wirkt die Musik sehr statisch, was durch das zum Teil laute und manchmal anstrengend wirkende Mitzählen von hoch-komplexen Takten noch unterstrichen wird - Musik als Denksportaufgabe. Die Improvisation in ihrem Spiel konterkariert jedoch in jedem Augenblick des Konzerts den gerade gewonnenen Eindruck von Strukturalität und Abstraktion und entwickelt so für den Zuhörer eine andauernde Spannung zwischen dem Wunsch nach weiterer Inspiration durch das ungewohnt Komplexe und dem Wunsch, die Musiker mögen doch auch mal loslassen können.

Das Konzert fand im Rahmen der Fachtagung des Förderschwerpunktes "Innovationsstrategien jenseits traditionellen Managements" des BMBF statt.