Drumbeat in doppelter Zeitlupe |

Bohren und der Club of Gore

Text: Christoph Giese

Bochum, 11.02.2013 | Hinten leuchtet hell die Bierreklame eines holländischen Gerstensaftbrauers. Ein DJ längt Vinylscheiben auf und beschallt den ansonsten ziemlich dunklen Raum. In dem sitzen überall junge Leute mit Bierflaschen oder einem Glas Wein in der Hand auf den Bänken und auf dem Boden und warten geduldig, dass ein ungewöhnlicher Konzertabend in der Christuskirche endlich beginnt.

Denn ungewöhnlich inszeniert ein Köln-Mülheimer Quartett mit ungewöhnlichem Bandnamen und längst Kultstatus seine raren Konzerte. „Bohren & Der Club Of Gore“ haben mal als Hardcore-Metalband begonnen. Kaum zu glauben, denn von schnellen, aufpeitschenden Rhythmen ist die Band längst so weit entfernt wie die Erde vom Mond.

Der Drumbeat ertönt in doppelter Zeitlupe, das E-Piano fügt ein paar verloren wirkende Akkorde hinzu, der dröhnende E-Bass pumpt ein wenig Leben in die mysteriöse, gelegentlich durch verzerrte Stimmen angereicherte Musik, die durchs Saxofon ein paar erhellende Farbtupfer erhält. Dann bekommen die düsteren Songs von „Bohren“ so etwas wie eine echte Struktur.

Sehen lässt sich zudem fast nichts. Auf der abgedunkelten Bühne hängen lediglich vier schwache Lämpchen herunter und lassen ein wenig von den Umrissen der Protagonisten erkennen.

„Bohren“ pflegen diese morbide Endzeitatmosphäre schon seit Jahren ganz bewusst. Und ihre wie Valium wirkende Musik passt mit ihrem schleppenden, sich stets wiederholenden Minimalismus perfekt zu der optischen Gruselstimmung. Nur das mit den Bierflaschen sollte bei ihren Konzerten in Dunkelheit noch mal überdacht werden. Das ständige Umkippen leerer Flaschen beim Bochumer Auftritt nervte, riss es doch immer wieder ein wenig aus dem Sog der Musik.