Jazz-Bar-Atmosphäre im Kunstmuseum |

Tatort Jazz mit Anne Hartkamp

Text & Fotos: Heinrich Brinkmöller-Becker

Bochum, 31.10.2014 | Eine liebevoll eingerichtete Location, eine stimmungsvolle Atmosphäre, eine persönliche, zugewandte Ansprache der Konzertbesucher durch die Veranstalterin, ein festes Team von aufeinander wunderbar eingespielten Musikern, ein hervorragender Gast – das ist das Grundrezept von Milli Häusers Tatort Jazz in Bochum. Mit diesem Konzept hat sie – mittlerweile an unterschiedlichen Orten – seit nunmehr über neun Jahren erfolgreich in der Region gearbeitet und sich einen entsprechenden Namen erworben. Übrigens ist sie gerade für ihr Inklusionsprojekt mit der Gruppe Walking on the Moon von der Help und Hope-Stiftung mit einem Preis ausgezeichnet worden. Glückwunsch von dieser Seite auch dafür!

Im Kunstmuseum Bochum hat die Tatort Jazz-Karawane eine mittlerweile häufiger genutzte Oase gefunden. Die Verbindung von Museumsbesuch mit Führung durch die aktuellen Ausstellungen und Konzert ist eine begrüßenswerte und offenbar publikumswirksame Aktion – beim gestrigen Konzert war jeder Platz besetzt. Die Tatort Jazz-Hausband mit Roman Babik am Flügel, Uwe Kellerhoff an den Drums und in der Vertretung von Alex Morsey mit Caspar van Meel am Kontrabass begleitete den Gast des Abends: die Kölner Vokalistin Anne Hartkamp. Von der vielfach talentierten Sängerin und Komponistin wird ein Strauß unterschiedlicher Fremdkompositionen wie die zwei Cassandra Wilson-Titel you belong to you und subatomic blues oder einer textlosen bluesigen Version von Ornette Colemans turnaround und einer Reihe von Eigenkompositionen geboten.

Ob bei den Interpretationen des „Fremdmaterials“ oder bei den eigenen Songs – Anne Hartkamp gelingt bei jedem Stück eine besondere Interpretation, sie zeigt jeweils eine besondere Facette ihres umfangreichen Könnens – vital kräftige und vielfältig nuancierte Stimme, mitreißende wechselnde Rhythmik, balladeske ruhig-stimmungsvolle Bögen in den stillen Stücken wie in ihrer Eigenkomposition not a word. Selbstredend verfügt sie über ein ansehnliches Reservoir an stimmlichen Registern, in die Stimmakrobatik mischt sich Wortakrobatik – mit Worten, ohne selbige, mit Wortfetzen einer Phantasiesprache oder in gekonntem Scat.

Die in ihrem Duo-Projekt mit dem Gitarristen Philipp van Endert vielfach gelobte Korrespondenz der Stimme Anne Hartkamps mit dem Instrument ist auch an dem Abend im Bochumer Kunstmuseum zu spüren: Ob in den feinsinnigen Dialogen mit Caspar van Meels Kontrabass oder mit Roman Babiks Piano-Läufen – es ist erstaunlich, mit welch scheinbarer Leichtigkeit, mit welch gemeinsamer Spielfreude der Vokalgast in das Ensemblespiel integriert und von dem Trio unterstützt wird, wie die gemeinsame Improvisation und die Interaktionen gemäß dem Konzept von Tatort Jazz ohne eine lange Probephase oder eine gemeinsame längere Spielerfahrung von Gast und Tatort Jazz-Team gelingen. Ein gelungener Abend im zur Jazz-Bar mutierten Kunstmuseum!