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Nanne Emelie im stadt.bau.raum

Text: Stefan Pieper | Fotos: Bernd Zimmermann

Gelsenkirchen, 08.09.2014 | Sie transportiert so viel Sonne und Leichtigkeit, diese Nanne Emelie. Also wurden sie und ihre Band vom Publikum im Gelsenkirchener stadt.bau.raum mit ebenso viel Wärme aufgenommen. Die dänische Sängerin und ihre Band wussten hier überzeugend die Musikformate Pop, Rock, Jazz, Latin und auch etwas Soul zu einem Ganzen zu vereinen. Aber was sind schon solche schnöden Genrebegriffe, wenn jemand wie Nanne Emelie so etwas mit ganz viel eigenem Ausdruck und gelebtem Lebensgefühl zu füllen weiß.

Offen ist ihr Blick, aufrecht ihre Haltung und souverän ihre kontrollierten Tanzbewegungen zur Musik, die ihre Band erzeugt. Sie will ihrem Publikum nah sein, aber sich dabei nie anbiedern - so viel ist spürbar. Und sie kann in jedem Moment auf ihre Band vertrauen, die in ihrer Besetzung durchaus mal etwas variiert. Für den Auftritt an diesem Abend greift sie auf die etwas „verschlanktere“ Variante zurück – mit Andreas Hatholt am Bass, dem Pianisten Niels Thybo sowie dem Schlagzeuger Rasmus Lund.

Und dann füllen diese facettenreichen Songs den Raum mit ganz viel lebendiger Emotion. Rhythmisch vielgestaltig geht es dynamisch nach vorne, manchmal in zügig soliden Rockriffs, oft auch mal in filigranen Dreiertakt-Arrangements oder in quirligem Funk. Wenn nicht gerade mal eine sinnliche Downtempo-Balladen-Gangart eingeschlagen wird. Nanne Emelies Gesang vereint sinnliche Tiefe mit großem Volumen - und ist auch in höheren Registern klar und druckvoll. Sie weiß zu phrasieren, Töne zu dehnen und blühen zu lassen. Und lässt dabei die empfindsame Lyrik nicht außer acht, hat aber auch so viel Soul wie nötig dabei.

Die Botschaft ihrer Songs bilden so viele Stimmungen ab wie die Band Klangfarben dazu aufbietet. Nanne Emelie lässt uns teilhaben an der wärmenden Frühlingssonne von Kopenhagen. Als sie fragt, wer schon mal in ihrer Heimatstadt war, bejahen dies nur ganze sechs Zuhörer. Der Norden und Dänemark, vor allem die reiche Musikszene dort, ist halt für viele immer noch Terra Incognita.

Nanne Emelie hält in ihren Songs Innenschau, reflektiert über Daseinsfragen und auch über den Wert innerer Schönheit. Als wache Beobachterin hat sie zwei Frauen in einem Cafe deren „typisch weibliche“ Konversation abgelauscht. Und zwei Billy Holliday Hommagen fügen sich ganz selbstverständlich in dieses Konzert ein. Sie darf so etwas!

Ihre Band macht zuverlässig dort weiter, wo die Worte enden. So viel filigrane Poesie erwächst aus dem Bassspiel von Andreas Hatholt, als dieses in einer fragilen Ballade ganz allein mit dem Gesang auf Tuchfühlung geht. Schlagzeuger Rasmus Lund pflegt ständig die hohe Kunst, „Drive“ zu erzeugen – sprich, die Dichte der Musik allein durch das Hinzuziehen von Spielfiguren und Gesten zu dosieren und zu steigern. Niels Thybos funkelndes Klavierspiel mutet dabei so natürlich an, dass es kaum noch nach E-Piano klingt.

Nanne Emelie hat in den letzten Jahren einen Karrieresprung hingelegt und auch schon die USA erobert. Ihre Ausstrahlung beim Konzert im stadt.bau.raum belegt, dass sie nach wie vor mit offenen Augen und tiefer Empfindung durchs Leben geht. Wovon sich circa 150 Musikfans in der ehemaligen Maschinenhalle der Zeche Oberschuir eindrücklich überzeugen konnten.

In kurzes Aftershow-Interview gibt es in der Rubrik Jazzreports zu lesen.