CD-Kritik

European Jazz Sextet |

Live at the International Jazzfest in Viersen

Text: Klaus Hübner | Fotos: Hans-Joachim Maquei

Viersen, 28.09.2014 | Amerika ist das Eine, vielleicht das Wahre, jedenfalls das Ursprüngliche. Im Jazz. Amerika war das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, den Jazz weiter und weiter und weiter zu entwickeln, seine Grenzen auszuloten und beständig Neues aus ihm selbst heraus zu generieren. Das hat sich in den mehr als einhundert Jahren Jazzgeschichte nicht großflächig verändert, auch wenn etwa Django Reinhardt mit dem Hot Club de France einen europäischen Jazzgedanken erst als kleines Pflänzchen, dann als beleibter Busch seine Nase in den Amerikanismus des Jazz steckte. Siebzig Jahre nach der Erfindung des Jazz, in den 1970ern, entstand ein europäischer Jazzgedanke, der sich in einem Gemisch aus Freejazz und Jazzrock entfaltete und der sogar Einfluss auf die amerikanische Jazzentwicklung nahm.

Während dieser Auf- und Umbruchphase, im Jahr 1976, gründeten Ali Haurand, Alan Skidmore Gerd Dudek, Leszek Zadio und Pierre Courbois das European Jazz Ensemble, das bis heute zu den dauerhaftesten und beständigsten Formationen im europäischen Jazz zählt. Maßgeblich angestoßen und nach vorne geschoben vom unermüdlichen Ali Haurand aus Viersen fand das Ensemble immer wieder neue Köpfe, die in verschiedenen Zusammenstellungen miteinander agierten. Im vergangenen Jahr stand das European Jazz Ensemble im Sechserpack auf der Bühne der Festhalle in Viersen, wo Ali Haurand vor vielen Jahren ein international besetztes Festival auf den Weg gebracht hatte.

Der Auftritt vom September 2013 mit Alan Skidmore (Tenorsax), Gerd Dudek (Tenor- und Sopransax), Jiri Stivin (Flöte, Altosax), Steve Melling (Piano), Ali Haurand (Bass) und Clark Tracey (Drums) wurde zu einem beachteten Ereignis beim siebenundzwanzigsten Festival in Viersen. Unter der Prämisse der von Haurand penetrant aber durchschlagkräftig so genannten dritten Sprache der Musik, der Improvisation, servierte das Sextet neben eigenen Stücken drei Titel von John Coltrane: „Lonnie's Lament“, „Impressions“ und „Chasin' The Trane“. Heute schon Standards, geben die Coltrane-Titel ihren Esprit über das European Jazz Sextet weiter an ein Publikum, das für einen Rückblick auf die Zeiten des Cool- und Freejazz auf ein Ensemble wie dem European Jazz Sextet angewiesen ist. Denn diese Herren sind aufgrund ihrer langjährigen Beschäftigung mit diesen Jazzstilen (und ihres Alters) prädestiniert, jüngeren Jazzfreunden die Ohren für diese Jazzspielarten zu öffnen. Die beiden Titel „V'S Groove“ und „D'Na“ von Steve Melling tun ihr übriges dazu.

Konnex KCD 5309

Distribution: konnex-records.de/shop

www.konnex-records.de