Sphärische Klangräume |

„about aphrodite“ im elektromagnetischen Feld

Text: Vera Marzinski | Fotos: Vera Marzinski, Bernd Zimmermann

Gelsenkirchen, 09.06.2014 | Zwei Elektroden, die als Antennen fungieren, dazu die elektrische Kapazität des menschlichen Körpers, der dieses elektromagnetische Feld beeinflusst – das ist ein „Theremin“. So heißt das Instrument, dass Gilda Razani im Gelsenkirchener „stadt.bau.raum“ bespielte. Elektronische Tanzmusik erfüllte die Veranstaltungshalle. Das Duo Gilda Razani und Hans Wanning, bekannt unter „Sub.vision“ tritt nunmehr als „About Aphrodite“ auf, denn "Sub.vision war gestern, die Zukunft gehört "About Aphrodite!", so die Saxophonistin Razani.

Nach Gelsenkirchen kamen sie mit dem algerischen Percussionisten, Gitarristen und Sänger Djamel Laroussi, der auch auf der Gimbri, einer afrikanischen Kastenhals-Laute mit drei Saiten, überzeugte. Zu den virtuosesten Darbukaspielern und Percussionisten in Deutschland zählt der türkisch-stämmige Fethi Ak. Und so heißt es dann auch „About Aphrodite feat. Djamel Laroussi und Fethi Ak“. Dazu noch zusätzliche Visual Effects – von Pascal Marczona und Jan Paustian. Das Publikum war wie hypnotisiert. Vor allem, wenn Gilda Razani auf dem Theremin Töne erzeugte und dabei fast wie beschwörend ihre Hände bewegte. Die Position der Hände ist wichtig. Durch deren Bewegungen geniert sie Töne, die sie in ihrer Höhe, Lautstarke und Modulation formen und variieren kann. Das Theremin ist ein 1919 von Leon Theremin erfundenes elektronisches Musikinstrument, welches berührungsfrei gespielt wird. Die Erzeugung von Tönen aus der Luft gibt dem Instrument die Aura des Magischen und Einzigartigen.

So entführten die vier Musiker in eine vollkommen andere Welt. Auch mal ganz weit zurück, wenn sie ihre Version des „Adagio“ von Tomaso Giovanni Albinoni spielten. Das kam so gar nicht wie Klassik daher. Eher elektronische Tanzmusik, die fast ein wenig in den Reggae überging. Dabei klang das Theremin teilweise fast wie eine Operndiva oder auch mal wie eine singende Säge. Das Stück „Nacht“ versetzte den Zuhörer in eine nächtliche Fahrt auf der Autobahn, die schnell Fahrt aufnahm, gefolgt von eintönigen Phasen, Anspannung, Schnelligkeit. „Mutti“ oder „Rainbow“ zeigten ebenfalls: So sphärisch und dicht die Klangräume der Stücke sind, so prägnant stehen auch immer wieder starke Melodien im Zentrum.

Nach der Pause leichte Probleme mit der Elektronik und aus dem Publikum ein „Ohne Computer – JA!“ Hans Wanning zeigte sein Können als Jazzpianist, bevor die elektronischen Klänge wieder ins Spiel kamen. Er studierte Jazzpiano und klassische Komposition am Conservatorium in Hilversum, NL. 1988 war er Preisträger beim „European Jazz Contest“ in Brüssel. Der elektronische Sound von „About Aphrodite“ fasziniert ihn und er hat sich dafür in der Clubszene in den letzten zwei Jahren in diese Art von Musik vertieft, verrät er. Da es sich von seinen anderen Projekten sehr unterscheidet, könne er dies gut davon trennen. Gerne spielen sie in so großen Räumen, wie dem „stadt.bau.raum“, aber anvisiert sind kleine Clubs. Hier trauen sich sicher auch die Gäste eher, die Tanzfläche zu nutzen. Die gab es auch beim Gelsenkirchener Konzert, wurde aber nur spärlich betanzt. Dabei ging doch beispielsweise die anrührende Ballade „La vie en rose“ – gesungen von Djamel Laroussi – in eine sehr tanzbare Version über. Zum Schluss floss noch ein „Spiel mir das Lied vom Tod“ mit in die Klangwelt von „About Aphrodite feat. Djamel Laroussi und Fethi Ak“ – ein. Insgesamt ein sehr beeindruckendes Konzert mit einzigartigem atmosphärischem Sound.