Jazzige Hochzeitsfeier |

„Urban Wedding Band“ im Sound Studio N

Text & Fotos: Vera Marzinski

Köln, 22.01.2014 | Ein Konzert voller Leichtigkeit - fast wie bei einer Hochzeitsfeier - präsentierte Roman Babiks „Urban Wedding Band“. Mit viel „Speed“ startete sie in eine mitreißende Darbietung ihrer Musik. „Speed“ lautete auch der Titel des ersten Stückes. Die Titel der Eigenkompositionen wählt Babik sehr spontan. So heißt eines „Hit“, weil jemand meinte, „das ist ein Hit!“ und „Rü 270“ steht für die Rüttenscheider Straße, in der er mal gewohnt hat. So wie die Kombination der Titel ist auch die Zusammenstellung der musikalischen Konstrukte. Sie wirken spontan, mitreißend, ansprechend – einfach grandios. Perfekt vorgetragen von einer außergewöhnlichen Formation, die sich gesucht und gefunden zu haben scheint.

Leader Roman Babik stammt aus Remscheid, studierte Jazz-Piano an der Folkwang-Hochschule in Essen und ist ein Pianist, der zu den Ausnahmemusikern gehört. Der in Skopje in Mazedonien geborene Martin Gjakonovski entstammt einer Jazz-Musiker-Familie. Sein Vater begründete und leitete die Radio Jazz Big Band Mazedonien, seine Mutter war Jazzsängerin. Bei der „Urban Wedding Band“ hält er sich im Hintergrund und steuert immer wieder brillante Einlagen bei. Saxophonist Dimitrij Markitantov stammt aus Kiew und zeigt in seiner Spielweise seine Einflüsse aus der Ukraine, die er mit dem Europäischen Jazz verschmelzen lässt. Bodek Janke wuchs in Karlsruhe auf, lernte am dortigen Badischen Konservatorium klassisches Schlagzeug und Musiktheorie und war schon als Teenager ein weltweit gefeierter Virtuose am Marimbaphon. In den unterschiedlichsten Formationen fügt er seine Handschrift oder besser gesagt: seinen Handschlag hinzu. Bei „Rü 270“ spielt er – auf dem Teppich sitzend – auf der indischen Tabla und gibt dem Stück einen ganz eigenen Klang. Die Kombination aus westlichen Harmonien, kontrapunktischen Konstrukten mit dem natürlichen Fluss der Musik des Balkans verschmelzen bei der „Urban Wedding Band“. Dabei nutzen sie Jazz und Volksmusik in einer genreübergreifenden Ausdrucksmöglichkeit.

Gerade bei „Rü 270“ verzaubern sie mit feinen, gleichbleibenden Piano-Klängen, die melodiös von der Rhythmusgruppe umfangen werden. Dazu fast gehauchte Klarinettentöne von Dimitrij Markitantov – da fühlt man sich zärtlich umfangen von der Musik. Gleich darauf reißt „White Russian“ fast von den Stühlen durch den Tanzrhythmus, der sofort in die Beine geht. Das macht nicht nur den Musikern richtig Spaß. Seit Frühjahr 2012 zelebrieren die vier Musiker gemeinsam ihre Musik mit der „Urban Wedding Band“. Nach einer über 10-jährigen Zusammenarbeit mit dem aus Kiew stammenden Saxophonisten Markitantov gründete Roman Babik das Ensemble, das mit dynamisch-melancholischer Musik überzeugt. „Urban Wedding Band“ – ein Hochzeitsensemble mit dem Zusatz „urban“. Urban bedeutet weltmännisch, aber auch gebildet, fein oder städtisch – bei der „Urban Wedding Band“ machen es die Improvisationen und die komplexen Rhythmen „urban“. Und durch den orientalischen Sound der Kompositionen bekommt es manchmal den Charakter einer Balkan-Hochzeit.

Die Location für das Konzert am Samstagmittag:“Sound Studio N“ in Köln. Gegenüber von Schokoladenmuseum und Rheinauhafen befindet sich das Studio, das durch offene Strukturen, Tageslicht und moderne bauliche und akustische Gestaltung besticht. Jedes Konzert wird aufgenommen, und in lockerer Atmosphäre können die Gäste die Musik genießen – wie am Samstagmittag die „Urban Wedding Band“.