Verzauberndes "Intro da vida" |

Peter Fessler & Alfonso Garrido im Nordsternturm

Text: Vera Marzinski | Fotos: Vera Marzinski, Ingo Marmulla

Gelsenkirchen, 05.07.2014 | Zwei grandiose Musiker mit einem verzaubernden Programm begeisterten im Gelsenkirchener Nordsternturm. Peter Fessler vereint seine Stimme mit den Tönen seiner Gitarre, und Alfonso Garrido fügt den perfekten Rhythmus dazu. "Intro da vida" brachte ein wenig Brasilien auf den hohen Aussichtspunkt im Ruhrpott. Das war ein Konzert zum Relaxen und Entspannen – einfach abschalten und genießen. Selbst Franz Schuberts Serenade "Ständchen" fügte sich ins Gesamtbild und verströmt die Entspanntheit des Konzertprogrammes.

Schon bei den ersten Stücken – "Summer Samba" von Marcos Valle oder "Manhã de Carnaval" von Luiz Bonfá – ist die Lebendigkeit, das Brasilien-Feeling, zu spüren. Ein bißchen Klassik, ein bisschen Brasil bringt Peter Fessler mit dem Titelstück seiner neuen CD "Intro da vida" hinein. Aufbruch ins Leben heißt es und eröffnet die Welt der Klangmalerei Fesslers. Schnell, ganz schnell geht es durch das "Rapido, rapido" – nicht gehetzt, einfach nur rasant. Bei "Brisa" ist der Hauch des Windes stimmlich zu spüren – wie eine warme Brise. Fessler singt mal tief, so ganz sonor und berührt dabei extrem. Dann wieder geht es in die höchsten Töne. Er ist ständig in Bewegung, zupft die Gitarre, und hinzu kommt seine Beinarbeit. Ein faszinierender Anblick. Ebenso faszinierend das Spiel von Alfonso Garrido auf seinen Percussion-Instrumenten. Etwas Ur-Brasilianisches bringt er noch mit hinein: das Berimbau – ein Musikbogen aus dem Nordosten Brasiliens, den Garrido perfekt beherrscht und damit besondere Töne in den brasilianischen Flair des Abends bringt.

Peter Fessler benötigt keine aufwendige Begleitung. Seine Stimme geht über mehrere Oktaven, und er weiß genau, wie man damit spielt. Sein "Fesperanto" ist zudem sein Markenzeichen. Eine Improvisationssprache, die viel Gefühl herüberbringt und mit der er Geschichten erzählt. Fessler ist das Wagnis eingegangen, Musik zu zelebrieren – und auf seiner CD "Intro da vida" aufzunehmen – die erzählt, ohne dass die Sprache übersetzbar wäre. Eine Melodie in Vokalen, die viel Emotionen einwebt, die in sich eine Geschichte sein können. Sein "Fesperanto" ist ganz besonders. Und gerade mit Alfonso Garrido könne er sich in einer perkussiven Sphäre vertiefen, so Fessler - "wir sind da völlig eineinig".

Alfonso Garrido bringt viel lateinamerikanische Lebensart mit. Er ist zwar in Berlin aufgewachsen, aber seine Eltern stammen aus Chile. Als festes Mitglied der Heavytones – der Studioband von "TV-total" – ist er seit 2000 als Percussionist zu sehen und zu erleben. Als Musiker ist er für zahlreiche Projekte vor allem im Bereich der Weltmusik und des Jazz, speziell natürlich lateinamerikanische und brasilianische Stile, unterwegs. Zudem arbeitet er als Dozent für Latin-Percussion an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Zusammen mit Fessler nahm er das Gelsenkirchener Publikum bei der "FineArtJazz"-Veranstaltung in Gelsenkirchen mit in eine andere Welt. Ihr Zusammenspiel wollen sie auch bald auf CD aufnehmen. Live und in Brasilien – da wird jetzt schon die Vorfreude groß. Bei den Musikern und natürlich auch bei ihren Fans.