Joplin, Webster und Hendrix? | Térez Montcalm in Essen

Essen, 4.3.2012 | Ihre Stimme mag man oder man mag sie nicht. Eines ist sie aber auf alle Fälle: bunt. Die Franko-Kanadiern Térez Montcalm startete ihre Mini-Deutschland "Here's to You - Songs for Shirley Horn"-Tour am gestrigen Abend in der Philharmonie Essen.

Das besondere Highlight des Abends vorweg. Am Schlagzeug saß Steve Williams, der 20 Jahre gemeinsam mit der vor 8 Jahren verstorbenen, Shirley Horn zusammen spielte. Er spielte das auf das allerwesentlichste reduzierte Schlagzeug mit einer Sanftheit und doch so druckvoll und pointiert, dass die Aufmerksamkeit des Zuhörers immer wieder auf den, ganz an der Seite sitzenden Schlagzeuger gezogen wurde. Kein Wunder, musizierte er im Laufe seiner Karriere neben Shirley Horn bereits mit Miles Davis, Freddie Hubbard, Roy Hargrove, Toots Thielemanns, Milt Jackson oder Branford und Wynton Marsalis, um nur einige zu nennen.

Aber der Rest des Montcalm begleitenden Quartetts war ebenso überzeugend. Christophe Wallemme (Bass) beeindruckte mit einem fulminanten Solo. Und auch Jean-Sébastian Williams (Gitarre) und Pierre De Bethmann (Klavier) unterstützen ihre Frontfrau unauffällig souverän.

Mit ihrem ungewöhnlichen Gesang, mit dem sie durchaus eine Karriere als Rocksängerin hätte einschlagen können, gibt sie ihren Liedern eine unverwechselbare Note. Dabei erinnerte Ihr Gesang unweigerlich an Janis Joblin und in manchen Passagen an das Saxophonspiel von Ben Webster.

Montcalm liebt es Stücke zu covern. Und wie sie das tut ist schon genial. Sie interpretiert die Musik auf ihre eigene Weise. Besonders gelungen und zum Schluss des Konzerts zu Gehör gebracht, Nina Simone`s "My baby just cares for me". Unweigerliche Konsequenz: Die Forderung des Publikums nach einer Zugabe, die sie mit einer außergewöhnlichen Interpretation von Jimi Hendrix's "Voodoo Child" beendete.

Eine schöne Bereicherung dieses beeindruckenden Konzertabends in der Essener Philharmonie war ein Jazz-Talks zwischen der Künstlerin und Ulrich Beckerhoff nach der Pause, bei der Térez Montcalm darüber erzählte, wie sie zum Jazz kam, welche Musiker sie beeinflusst haben und weitere kleine Geheimnisse, die dem Publikum diese außergewöhnliche Sängerin näher brachte.

Text & Fotos: bz