Fußtastenfetisch und Pedalballerina|Barbara Dennerlein in Hamm

Hamm, 2.3.2012 | Im Kurhaus Bad Hamm spielt Barbara Dennerlein & Bebab. Zu jedem Song gibt der Hammondwirbelwind eine kurze Referenz über den Hintergrund bzw. Entstehungsgeschichte. „Last Call“ ist uns allen gewidmet. Es geht um die Talente, die wir alle haben. Ein jeder von uns besitzt ganz spezielle. Und so kommt es oft dazu, das einmal für die Leidenschaft entschieden,sie zur eigenen Herzenssache gemacht, der Erfolg sich von selber einstellt. Es variiert hier Tempo und Betonung, sodass facettenreich die unterschiedlichsten „Talente“ zu hören sind. Passend hierzu auch die entsprechend passenden Stimmungen. Zum Ende des Stückes zaubern Barbara Dennerlein und Jörg Kaufmann (sax) eine bedächtig-fröhliche Stimmung in den Saal. Sie spielen miteinander und fordern sich musikalisch gegenseitig heraus. So ist es mucksmäuschenstill, als das Lied in einem einzigartigen Klappen-, Pust- und Tastenduell ausklingt. Dies ist nur ein erster Fingerzeig für das stimmige Zusammenspiel zwischen Orgel und Saxophon.

In einem anderen Song „I797“ geht es um den langen Weg für ein Arbeitsvisum in den USA. Nach langem Hin und Her erhält sie dann noch rechtzeitig vor Tourneestart dieses Formular „Approval Notice“. Anstatt eines Psychiaters oder eine Sofasitzung, setzt Sie dies Erlebte in einem schwungvollen und temporeichen Titel um. Es fühlt und hört sich an, als würde man mit ihr warten. Dieser Song wird vom Schlagzeuger (Drori Mondlak) gekonnt angespielt. Er lässt richtig die Stöcke fliegen und wirbelt um sich herum, einfach mitreißend. Mich zieht es derart in den Bann, dass ich fast gar keine Bilder mehr machen möchte. Ich werde fast willenlos.

Der Mann am Bass (Fabiano Pereira) wirkt wie aus einem Comic. Mit seinen Fingern bearbeitet er das Riff behände, flink und akkurat. Seine Mimik dazu ist Filmreif. Eine eigene Choreographie. Trotz der augenscheinlichen Lässigkeit ist er gnadenlos genau, ist auf den Punkt mit der Bandleaderin und den anderen unterwegs.

Jörg Kaufmann reagiert ideenreich, humorvoll und extrem virtuos auf das zwischen ihm und der Frontfrau zwischnzeitlich aufkommende Duell.. Er stellt sich der Provokation, doch –völlig verständlich- geht ihm zwischendurch gegen die Orgel die Puste aus. Doch er setzt dann noch einmal nach. Mit völliger Hingabe gibt er alles.

„Jazz ist für mich ein Synonym für Freiheit. Der Freiheit von Vorurteil und Diskriminierung, der Freiheit von Zwang und Konvention. Diese, meine Definition von Jazz, will ich dem Zuhörer vermitteln. (…)“ So erklärt Barbara Dennerlein ihre musikalische Leidenschaft.

Sie ist nicht nur solistisch, sondern auch mit diversen Projekten und Formationen unterwegs – eines davon ist „Bebab“. Der Name spielt mit Bebop und ihrem Vornamen, Barbara, und weist auf etwas hin, für das es keinen vorgefertigten Begriff, keine Schublade gibt. Gemeinsam nimmt das bestens eingespielte Quartett das Publikum in Hamm mit auf eine außergewöhnliche Klangreise. Treffender hätten die Veranstalter es nicht vorhersehen können. Mit weiteren Zugaben bedankt sich das Quartett bei einem sehr guten Publikum.

Ein Lob ausdrücklich von meiner Seite an das Kulturbüro und die Stadt Hamm. Mit Ton, Beleuchtung und der gesamten Attitüde, kann sich manch anderer Veranstalter in größeren Städten eine Scheibe abschneiden. Nicht oft erlebe ich eine gute Ausleuchtung der Bühne, abwechselnd werden unterschiedliche Farbstimmungen erzeugt. Vielen Dank für die Gastfreundschaft!  „Es war ein Hammer in Hamm“ oder „Hamm kann´s“ könnte man dies kürzer zusammen fassen.

Besetzung: Barbara Dennerlein (Orgel), Jörg Kaufmann (Saxophon), Fabiano Pereira (Gitarre, Gesang) und Drori Mondlak (Schlagzeug).


Fotos & Text: sb