Jazzetry und der Mann aus Mannheim / Anna Mai Combo

Düsseldorf, 28.2.2012 | "Zeitgemäßer Jazz aus Eigenproduktion mit Wort, Ton und Stimme. Atmosphärische Skizzen in einem Spannungsfeld zwischen Melancholie und Aufbruchstimmung: Gespielt werden Jazzlieder mit Elementen aus Rock, Klassik und Singer-Songwriter-Musik. Lautmalerische Kompositionen, die filigrane Komplexität mit phantasievoller Einfachheit vereinen. Abstrakte Texte als ehrliche Bekenntnisse, welche die großen und kleinen Themen des Lebens hinterfragen." Das ist die Einleitung bzw. Beschreibung der Jazz-Schmiede zum heutigen Abend.

Die Combo um Anna Maria Schuller startet mit "Motherwind" das Konzert. Und dann geht es mit dem Titel "Design" weiter. Diesen hat sie von einem Mann aus Mannheim, den Sie in Emden traf, nein es war andersrum. Jetzt kommt Groove in den Saal, schon recht rockig jazzen die Jungs mit dem Mädel durchs Programm. Bisweilen kommt die Idee nach einer Geräusche CD, jeder entlockt seinem Instrument oder Stimme skurrile Laute. Dann wird es wechselhaft melodisch, so dass ich am Ende des Stückes an einen langsam tanzenden Zirkuselefanten denke. Nein lustige Zigaretten gab es nicht.

Auch das mittelalterliche Volkslied mit der Eingangszeile "…es wuchs ein Rosmarienbaum…" zeigt ein weiteres Spektrum der Band. Melodisch ausgereizt und jeder einzelne hat dabei Platz sein Instrument hier einzubringen.

Bis hierher solide und sehr kontrolliert. Nach der Pause, ist die zweite Halbzeit ist eine sehr deutliche Steigerung. Es scheint es ist eine Bremse gelöst worden. Weiterhin brilliert A.M.S. mit einer zyklopischen Bandbreit. Mit der stetig steigenden Lockerheit intensiviert sich auch die Musik.

Es sind nicht die 4 Jungs die mit dem Mädel hier spielen. Vielmehr ist das Anna Mai 5tett eine gute, ausgewogene und talentierte Gruppe. Stefan Schmid ist mit Tenor-Saxophon und der Klarinette ein wesentlicher Bestandteil und bringt tragende Elemente in die Zwischenräume. Philipp Braemswig rockt, groovt und jazzt das Riff an der Gitarre. Oliver Rehmann am Schlagzeug ist genau, pointiert und mitunter auch auflockernd unterwegs. Benjamin Garcia erfreut durch seine Präsenz und sein perfektes Zusammenspiel mit den anderen. Er wirkt hier und da im Hintergrund und hat mit verschmitzt und fröhlichem Ausdruck auch grosse Freude dabei.

Besetzung: Anna Maria Schuller (voc) --- Stefan Schmid (ts, cl) --- Philipp Braemswig (g) --- Benjamin Garcia (b) --- Oliver Rehmann (dr)

Text & Fotos: sb

Heute (28.02.2012) bei der Session in Jazzschmiede.