The Smooth Jazz Cruise 2012

Fort Lauderdale, 2.2.2012 │Es ist bereits nach Mitternacht, in wenigen Stunden wird die m/s Westerdam wieder in Fort Lauderdale vor Anker gehen, ein frühes Auschecken wartet, sieben Tage und Nächte voller Musik sind fast vorüber, aber Eric Darius dreht noch einmal königlich auf in der Queen´s Lounge und holt die Jazzfans von den bequemen Sitzen mit seinen heißen, von Rhythm&Blues getränkten Saxofonläufen. Darius, aufgewachsen im Sonnenstaat Florida, war eine der großen Entdeckungen der diesjährigen Smooth Jazz Cruise in der östlichen Karibik. Bei Smooth Jazz, in den USA auch gerne Contemporary Jazz genannt, steigt beim hiesigen Jazzfan gleich der Gedanke an Fahrstuhlmusik in den Kopf. Aber was Michael Lazaroff und seine Firma Jazz Cruises, LLC aus St. Louis da seit einigen Jahren auf die Beine stellen, hat mit Muzak meist nur sehr wenig zu tun. Lediglich der britische Gitarrist Peter White lieferte in diesem Jahr ziemlich softe und langweilige Klänge ab. Alle anderen Künstler auf dem Jazzschiff brillierten mit hoch inspirierten Sets, mit mitreißenden Mischungen aus Jazz, Soul, R&B und Funk - etwa die Saxofonisten Gerald Albright, Kirk Whalum und Tom Braxton. Pianist und Posaunist Brian Culbertson entpuppte sich zudem als echter Showman auf der Bühne; David Sanborn sang sogar und Joe Samples lässige Eleganz auf den Elfenbeintasten betörte. Marcus Miller zeigte einmal mehr, dass er ein großartiger Unterhalter ist und sein Bassspiel in vielen Kontexten einzubauen versteht. Rahsaan Patterson und Larry Braggs, Leadsänger bei Tower Of Power, zeigten sich beide als starke und ganz individuelle Soulstimmen und Jonathan Butler schlug bei seinem Auftritt nicht nur einen herrlich weiten Bogen von Südafrika hin zu Soul und Jazz; er leitete auch die berührende Gospel Show mit vielen der Stars an Bord am dritten Morgen der Reise. Diese Gospel Show wird Michael Lazaroff künftig auch an Land fortführen und so sicherlich auch neue Freunde für seine Jazz-Kreuzfahrten gewinnen. Von denen, die dieses Jahr mitfuhren, kommen ohnehin viele 2013 wieder. Es fühlt sich nämlich an wie in einer großen Familie auf der m/s Westerdam. Man spürt die Passion und das Herzblut der Veranstalter, die den 1.800 Gästen Künstler zum Anfassen präsentieren. An Bord als auch bei den Landgängen in St. Thomas, St. Barth oder in Nassau auf den Bahamas trifft man die Musiker; beim „Cocktail Chat“ am Nachmittag hat man sogar ganz offiziell die Möglichkeit zu einem privaten Gespräch mit Brian Culbertson, Candy Dulfer oder Kirk Whalum. Und in Themen-Nachmittagen stellen auch Legenden wie Joe Sample ihr Instrument vor und plaudern ganz ungezwungen über den Verlauf der eigenen Karriere.

Text: cg; Fotos: SJC ´11 (Lori Stoll & Rhonda Lane)