Brachial und zart | Michael Wollny [solo] in der Christuskirche

Bochum, 31.1.2012 | Der Cubus war wieder aufgebaut. Aber anders als geplant musste er zu einer Seite wieder geöffnet werden. Zu viele Menschen wollten am Sonntagabend in der Christuskirche in der Bochumer Innenstadt den Ausnahmepianisten Michael Wollny live erleben.

Der Innenraum der Kirche war in rötliches Licht getaucht als Michael Wollny, der indirekt einer der Ideengeber der Veranstaltungsreihe "urban urtyp" war, an den Flügel trat. Bereits im Jahre 2010, zu Proben für die Verleihung des 1. Echo Jazz in der Bochumer Jahrhunderthalle, war Wollny in der Christuskirche und probte hier zusammen mit Cèline Rudolph die Jazzversion von Grönemeyers "Mensch" ein. Dabei stellte unter anderen auch er fest, dass die Christuskirche doch ein außergewöhnlicher Ort für außergewöhnliche Konzerte sein könnte.

Diese Vision setzte Wollny am Sonntagabend dann endlich in beeindruckender Weise um. Über eine Stunde atemberaubende Improvisation. Zurückhaltend begann er zunächst, um allerdings wenig später dem Flügel eine derart gewaltige Klangwolke und ein fast bedrohliches Klangvolumen zu entlocken, dass der Kirchenraum beinahe fühlbar bebte.

Bei seinen phantasievollen Improvisationen wechselten die audiovisuellen Bilder vom zart dahin plätschernden Bach bis hin zum brachial stampfenden Stahlwerk. Dabei musste der Flügel alle Möglichkeiten Klänge aus und an ihm zu erzeugen über sich ergehen lassen. Zupfen, schlagen, rupfen, drücken.

Wer Wollny in der Christuskirche erlebt hat, hat gespürt, dass hier ein ganz Großer seiner Zunft am Werk war. Und das im beinahe warsten Sinne des Wortes zum Anfassen, denn durch die Rauminstallation des Cubus rückten das Publikum sehr nahe an den Künstler heran. Sowas gibt es halt nur an wirklich außergewöhnlichen Orten.

Text & Fotos: bz