Klavier und Quetschkommode | Ulrich Tukur im Konzerthaus

Dortmund, 13.1.2012 | „Kein kluger Mann widerspricht einer Frau. Er wartet, bis sie es selbst tut.“ So wie er diesen alten Humphrey Bogart-Spruch vom Stapel lässt, schmunzelt selbst das weibliche Geschlecht im Konzerthaus. Ulrich Tukur hat eben Charme und kann so ziemlich alles erzählen. Es kommt rüber, es funktioniert, es amüsiert.

Der Sänger, Musiker und Schauspieler, im letzen Monat noch als Tatort-Kommissar im Fernsehen zu erleben, der sich in seiner Karriere so fließend und gekonnt zwischen Bühne und Film, Schlager und Drama zu bewegen versteht, ist jetzt mit „Musik für schwache Stunden“ auf Konzerttournee.

Im nostalgischen Grauton ist das Cover  des gleichnamigen, neuen Tonträgers von Ulrich Tukur und seinen „Rhythmus Boys“ gehalten. Eine CD und gleichzeitig auch das Tourprogramm randvoll mit altern Liedern der 20er bis 40er Jahre - wie Zarah Leanders „Ich steh´ im Regen“ oder Jopi Heesters´ “Liebling, was wird nun aus uns beiden“. Clever ergänzt durch Eigenkompositionen und auch mal einem schmerzvollen Canzone  vom Italiener Domenico Modugno, dem Autor des Welthits „Volare“.

Ulrich Tukur, der zwischen Klavier und Quetschkommode hin und her wechselt, kann das alles singen und spielen. Das Beschwingte, das Süffisante mit feiner Ironie, einen flotten Charleston, einen Walzer über die eigene, höchst unglückliche Zeit in Wien - auf Englisch, Deutsch, Französisch und in wirklich gutem Italienisch.

Ein Tausendsassa, dieser Tukur, der zwischendurch, wenn sich seine drei komödiantisch immer wieder verblüffenden „Rhythmus Boys“ umziehen und etwa als Kraftakrobaten aus Aarhus in schrägen Turnanzügen zum Schreien komisch auf starke Männer machen, sich auch noch als köstlich humoriger Entertainer zu inszenieren weiß.

Selbst sein Eurasier-Hund Toto ist auf der Bühne dabei – und wird problemlos ins Programm integriert. Viel mehr Spaß und Unerwartetes kann man kaum bringen. Überraschendes prägt diesen Abend ohnehin bis zum letzten Ton, verabschiedet sich diese herrlich schrullig- verspielte Unterhaltungskapelle doch mit einer melancholischen Instrumentalversion von - „La Paloma“.

Text & Foto: cg

CD-Tipp: Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys „Musik für schwache Stunden“ (Trocadero/Indigo)
 
Weiterer Termin: 20.1. Düsseldorf, Tonhalle (leider schon ausverkauft!)