Humor und Schwermut | Tim Fischer im Konzerthaus

Dortmund , 18.12.2011 | Die Knef, sie war Diva, Schauspielerin, Sängerin  - und eine großartige Autorin. Letzteres hat Tim Fischer, auch er eine Diva, besonders fasziniert. Der Berliner Chansonnier widmet sich in seinem Programm „Tim Fischer singt ein Knef-Konzert“ im Konzerthaus ausschließlich der Knefschen Lyrik. Ein großer Abend!

Gerd Wilden, Charly Niessen und vor allem Hans Hammerschmid haben die Texte der Knef vertont, genial vertont. Da braucht Tim Fischer, der vor der Pause ganz in Schwarz gekleidet und im zweiten Konzertteil ganz in Weiß vor dem Mikrofonständer meist recht bewegungslos steht, nicht mehr viel an Pathos hinzuzufügen.

Die nackten Lieder sprechen für sich. Lieder wie die zackig und mit militärischer Schärfe vorgetragenen „Fragebogen“ oder der „Protest eines Denkmals“, das tragikomische Stück über eine irritierte Auster oder das so herrlich melancholische „Ich wollte dich vergessen“ zeigen die ganze Bandbreite der Knef. Hier die lakonische Weltbetrachtung, die mit Selbstironie gesegnete Lyrikerin und dort das rührende Offenlegen der Seele und ihrer Befindlichkeit.

Tim Fischer bringt mit seinem intensiven, manchmal gar schmerzhaften Gesang all diese Gefühle wundervoll rüber und lässt Hildegard Knef gedanklich stets durch den Saal schweben. Humor und Schwermut reichen sich die Hände und werden sanft zum Tänzeln gebracht von Fischers Band mit seinem Langzeit-Begleiter Rüdiger Mühleisen am Klavier, Sebastian Selke am Cello und Ralf Templin an der akustischen Gitarre.

Viele nicht so bekannte Preziosen hat Tim Fischer für sein Programm ausgewählt - neben Knef-Klassikern wie „Für mich soll´s rote Rosen regnen“ oder „17 Millimeter“. Zwischen Jazz, Kammermusik und Chanson gelingt es dem Sänger, für zwei Stunden zur Knef zu werden, ohne dabei jemals seine eigene Identität zu verlieren. Vielleicht das größte Lob, das man diesem Abend machen kann.

Text & Fotos: cg